Bewegung ist beste Vorsorge

Gesund / 21.11.2014 • 11:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Rückenprobleme sind ein weitverbreitetes Übel und gute Ratschläge dazu immer willkommen, wie der Andrang zeigte.  Fotos: VN/Hartinger
Rückenprobleme sind ein weitverbreitetes Übel und gute Ratschläge dazu immer willkommen, wie der Andrang zeigte. Fotos: VN/Hartinger

Wirbelsäulenspezialist Christian Bach überzeugte mit Kompetenz und Sympathie.

Wolfurt. (VN-mm) „Gehen Sie zum Dr. Bach, der kann das.“ Mit diesem Ratschlag wurde eine Vorarlberger Patientin von der Uniklinik Innsbruck ans LKH Feldkirch verwiesen, wo Primar Christian Bach seit Anfang des Jahres der Orthopädie vorsteht. In dieser Zeit hat er die Abteilung zu einem anerkannten Wirbelsäulenzentrum ausgebaut. „Maximal zwei andere Krankenhäuser in Österreich bieten unser Behandlungsspektrum noch an“, erklärte Bach den rund 600 Zuhörern, die den Cubus in Wolfurt bis fast auf den letzten Platz füllten. Groß ist auch der Patientenandrang mit Zuweisungen aus dem ganzen Bundesgebiet. Der Spezialist vergaß aber nicht zu erwähnen, dass viele Eingriffe nur in Teamarbeit möglich sind.

Aufklärung nötig

Der Rücken ist die Achillesferse vieler. Christian Bach sprach im Zusammenhang mit Rückenschmerzen sogar von einer Volkskrankheit. Die gute Nachricht: 80 Prozent der Beschwerden lassen sich ohne Operation behandeln. Zu den wirksamen Therapien zählen unter anderem Infiltrationen und die Blockade von Nerven durch Schmerzmittelinjektionen. Allerdings ist laut Bach oft auch Aufklärung zum richtigen Heben und Sitzen nötig, ebenso der Abbau von Übergewicht. Seine Botschaft an die Mini Med-Studenten: „Die beste Vorsorge gegen Rückenschmerzen sind körperliche Aktivitäten.“ Intensität und Dauer der Bewegung richten sich nach Alter und Kondition. „Es reichen auch Spaziergänge“, legte er den Besuchern ans Herz.

Wichtig sei nur, bei bestehenden Beschwerden eine Negativspirale zu vermeiden. Denn: „Wer Schmerzen hat, bewegt sich weniger, die Muskulatur erschlafft, die Schmerzen werden stärker.“ Dies gelte es unbedingt zu verhindern.

Stress und Fehlhaltungen

Rückenschmerzen zählen zu den verbreitetsten Gesundheitsproblemen. Als Gründe listete Bach in seinem hochgelobten Vortrag den Bandscheibenvorfall, Wirbelbrüche, Tumore, Infektionen und Verspannungen auf. Sind organische Ursachen verantwortlich, finden sich Schäden an der Wirbelsäule, den Bandscheiben oder Wirbelknochen. Im anderen Fall können Stress, Bewegungsmangel und Fehlhaltungen die Schmerzen auslösen. Die Frage, ob an der Wirbelsäule zu oft und zu schnell operiert wird, beantworteten rund 20 Prozent der Besucher mit „Ja“. Christian Bach sieht das Problem jedoch eher auf Deutschland konzentriert. Dort seien Wirbelsäulenoperationen in vielen Regionen ein Wirtschaftsfaktor und würden gut bezahlt, erklärte er die Negativpublicity.

Gleichzeitig betonte der Fachmann, dass Eingriffe an der Wirbelsäule oft notwendig sind, vor allem bei Fehlstellungen. Bei einem Bandscheibenvorfall ist eine OP angezeigt, wenn Lähmungserscheinungen in den Beinen auftreten. Bach: „Hier muss schnell operiert werden, um Folgeschäden zu vermeiden.“ Gleiches gilt bei erfolglosen konservativen Therapien.

Künstliche Bandscheiben

Abgenützte Bandscheiben und Wirbelknochen können inzwischen durch Implantate ersetzt werden. Vorteil: Der Eingriff ist kürzer, und die Rückenmuskulatur wird nicht beschädigt. Christian Bach versuchte den Zuhörern aber auch die Angst vor der gefürchteten Versteifung der Wirbelsäule zu nehmen. Die Technik habe zu Unrecht einen schlechten Ruf, meinte der Arzt. Anhand eines kurzen Videos veranschaulichte er, dass die Beweglichkeit sehr wohl noch gegeben ist. Seine Erklärung: „Die erkrankten Bandscheiben sind schon vor der OP kaum noch beweglich. Das verursacht Schmerzen, und eine verspannte Muskulatur ist unbeweglich. Nach der Versteifung verschwinden die Schmerzen, die Muskulatur entspannt sich, und damit verbessert sich die Beweglichkeit wieder.“

Mitwachsende Implantate

Bei Wirbelbrüchen kann die Einspritzung von Zement eine Option sein. Schwere Ausprägungen, verursacht durch Tumore oder Infektionen, werden mit Ersatzteilen aus Titan behoben. Starke Wirbelsäulenverkrümmungen, die häufig Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung betreffen, können in der Orthopädie des LKH Feldkirch als einem der wenigen Spitäler ebenfalls operativ korrigiert werden. Für Kleinkinder mit gekrümmter Wirbelsäule stehen mitwachsende Implantate zur Verfügung.

Am Ende stand die Empfehlung, bei Wirbelsäulenproblemen unbedingt spezialisierte Ärzte und Zentren aufzusuchen.