Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Osteoporose – neue Leitlinien

Gesund / 28.11.2014 • 10:20 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach zweijährigem Ringen hat der Dachverband Osteologie (DVO) vor 14 Tagen neue Leitlinien für Frauen nach dem Wechsel und Männer über dem 60. Lebensjahr herausgegeben und auf seiner Homepage veröffentlicht (www.dv-osteologie.org). Der DVO ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss aller wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich mit Erkrankungen des Knochens befassen.

Die klinische Bedeutung der Osteologie liegt im Auftreten von Knochenbrüchen und deren Folgen. In Europa haben etwa 15 Prozent der 50- bis 60-jährigen Frauen (Männer 2,4 Prozent) eine Osteoporose, im Alter von über 70 Jahren sind es bei den Frauen 45, bei den Männern 15 Prozent. In der Schweiz wurde die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer wesentlichen Fraktur (Hüfte, Wirbelkörper mit Beschwerden, Oberarm oder Handgelenk) berechnet. Nach dem Alter von 50 Jahren sind es bei den Männern 20,2 Prozent, die einen ernstzunehmenden Knochenbruch erleiden werden, bei den Frauen 51,3 Prozent. Das heißt, dass es jeden 5. Mann und jede 2. Frau in der zweiten Lebenshälfte trifft. Folgen können akute und chronische Schmerzen, funktionelle Einschränkungen und eine Beeinträchtigung der Lebensqualität sein.

Die neuen Leitlinien sind mit dem Einsatz von Osteoporose-Medikamenten zurückhaltender als in Österreich oft üblich. So wird etwa bei einer Frau im Alter zwischen 50 und 60 ohne Risikofaktoren erst bei einer Knochendichte mit einem T-score von minus 4 behandelt. Der Osteoporose-Grenzwert von T-score minus 2,5 wird erst bei 70-jährigen Frauen Anlass für eine medikamentöse Intervention. Immer unter der Voraussetzung, dass keine zusätzlichen Risikofaktoren vorliegen und eine ausreichende Kalzium- und Vitamin D-Versorgung gewährleistet sind. Je nach Vorliegen von Risikofaktoren wird schon früher therapiert, zum Beispiel bei Frakturen, die bereits nach geringer Krafteinwirkung aufgetreten sind, bei Kortisontherapie, Typ-I-Diabetes, hormonellen Störungen, Aromatasehemmern, Untergewicht, Rheumatoider Arthritis, Rauchen, erhöhter Sturzneigung, Protonenpumpeninhibitoren, chronischen Krankheiten und anderen mehr. Üblicherweise muss die Therapie mehrere Jahre durchgeführt werden, viele Studien zeigen, dass die Therapietreue ein Problem ist.

In 10 bis 20 Jahren kommen die Babyboomer ins Osteoporosealter. Die meisten haben sich in der Kindheit und Jugend gut ernährt, viel Bewegung im Freier gemacht, wenig Softgetränke konsumiert, und nur wenige haben in der Jugend die Pille genommen oder geraucht. Alle diese Faktoren fördern einen gesunden Knochenaufbau, von dem man im Alter zehren kann. Von späteren Jahrgängen kann man das leider nicht mehr so pauschal behaupten.

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Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein

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