„Herzinsuffizienz wird unterschätzt“

Gesund / 15.05.2015 • 11:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
In Österreich leiden rund 300.000 Menschen an einer chronischen Herzschwäche.
In Österreich leiden rund 300.000 Menschen an einer chronischen Herzschwäche.

Experten vermissten in Österreich eine flächendeckende, strukturierte Versorgung. 

Wien. „Die Herzinsuffizienz ist nach wie vor ein völlig unterschätztes Problem, bezüglich der Häufigkeit, der Gefährlichkeit und der Kosten“, betont Deddo Mörtl, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) und Herzinsuffizienzspezialist am LKH St. Pölten. Ein Mensch mit heute 40 Jahren habe bereits ein 20-prozentiges Risiko, im Laufe des Lebens eine chronische Schwäche des Herzens zu entwickeln. Mit 50 betrage das Lebenszeitrisiko dafür 30 Prozent. Im Fall des Falles liege die Sterblichkeit innerhalb von fünf Jahren bei 50 bis 80 Prozent.

Symtome ignoriert

Oft werden Symptome – Atemlosigkeit bereits bei geringer Belastung oder Beinödeme – viel zu lange von den Betroffenen ignoriert, sagt Mörtl. Die chronische Herzschwäche verursacht demnach rund zwei Prozent der Kosten im Gesundheitswesen, 70 Prozent davon entfallen auf Spitalsaufnahmen. Das Risiko für „Drehtürpatienten“ ist hoch: 25 Prozent der mit der Diagnose Herzinsuffizienz aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten müssen innerhalb von drei Wochen neuerlich in eine Klinik aufgenommen werden, berichtet Mörtl.

Schwache Koordination

Eine zu schwache Koordination zwischen niedergelassenen Ärzten, Spitalsambulanz bzw. Kliniken sowie ein zu loses Netz für die Überwachung und Betreuung der Patienten zu Hause führen zudem zu einer nicht optimalen Therapie. „Es gibt sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Eine adäquate Therapie kann die Lebenserwartung mindestens verdoppeln.“

Medikamente

Eine Studie im Auftrag des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger hat erst vor Kurzem ergeben, dass rund die Hälfte der Herzinsuffizienzpatienten die verschriebenen Medikamente nicht in ausreichender Form einnimmt, sagt Hauptverband-Chef Peter McDonald. „Im Rahmen der Gesundheitsreform ist festgelegt worden, dass man die Patienten mit der Volkskrankheit Herzschwäche in eine strukturierte Betreuung bringen will“, ruft McDonald in Erinnerung.