Starkes Übergewicht steigert das Krebsrisiko

Gesund / 15.05.2015 • 09:47 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Österreich leben rund 15 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen mit krankhaftem Übergewicht.
In Österreich leben rund 15 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen mit krankhaftem Übergewicht.

Besonders Bauchfett wirkt sich laut Studien negativ auf die Gesundheit aus.

Wien. In Europa werden 2030 viel mehr Menschen als bisher mit Fettleibigkeit kämpfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einer „Übergewichts-Krise enormer Ausmaße“. Auch in Österreich leiden immer mehr Menschen an Adipositas, betont Alexandra Kautzky-Willer, stellvertretende Leiterin der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien und Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) Vienna, anlässlich des Europäischen Adipositastags am Samstag, 16. Mai. Am CCC laufen mehrere Studien, die die Zusammenhänge zwischen Fettleibigkeit, Stoffwechselstörungen und Krebserkrankungen erforschen sollen.

Gefährliches Bauchfett

Neue Daten einer internationalen Studie, die 2015 im Lancet Oncology veröffentlicht wurde, belegen laut Kautzky-Willer, dass 5,4 Prozent aller Krebserkrankungen bei Frauen und 1,9 Prozent bei Männern mit einem erhöhten BMI zusammenhängen. Das gelte vor allem bei Tumorerkrankungen der Speiseröhre, des Darms, der Niere, der Bauchspeicheldrüse und – bei Frauen – der Gallenblase, der Eierstöcke, der Gebärmutter und postmenopausalen Brustkrebs. „Betroffen sind vor allem Personen ab einem BMI von 30. Steigt der BMI nur um den Faktor 1, also zum Beispiel von 29 auf 30, wächst das Krebsrisiko zwischen drei und zehn Prozent bei den genannten Tumoren. Besonders Bauchfett wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus, da es das Krebsrisiko und die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt“, sagt die Endokrinologin und Gendermedizinerin.

Warum dem so ist? Zum einen sei das Fettgewebe hormonell aktiv, produziere Fettgewebshormone und verändere die Sexualhormonspiegel. Dies wiederum fördere die Entstehung und das Wachstum hormonabhängiger Tumoren wie manche Arten von Brustkrebs oder Karzinome der Gebärmutterschleimhaut. Durch die ungünstige Verschiebung der Balance im Bereich der Sexual- und Fettgewebshormone werde das Tumorwachstum direkt und indirekt gefördert. Zum anderen komme es zur Zunahme der Insulinresistenz, auf die der Körper wiederum mit einer verstärkten Ausschüttung von Insulin reagiert. Kautzky-Willer: „Das Problem hierbei ist, dass Insulin nicht nur den Stoffwechsel regelt, sondern auch als wachstums-stimulierendes Hormon die Zellteilung und somit das Tumorwachstum begünstigen kann. Auch hohe Blutzuckerspiegel scheinen das Tumorwachstum weiter zu begünstigen.“ Ein weiterer Aspekt sei, dass es im Bereich des Bauchfetts zu chronisch-entzündlichen Prozessen kommt, die die Entstehung von Krebs ebenfalls fördern könne. „Positiv ist, dass man etwas gegen dieses Risiko tun kann, indem man Gewicht reduziert oder von vorneherein auf das Gewicht achtet“, erläutert die Stoffwechselexpertin.