Die „Bildschirm-Welt“ ist ein echter Schlafkiller

Gesund / 01.04.2016 • 09:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Handys sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Neben Vorteilen haben sie aber auch Nachteile. Foto: vol.at/rauch
Handys sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Neben Vorteilen haben sie aber auch Nachteile. Foto: vol.at/rauch

25 Prozent der Menschen in den westlichen Industriestaaten haben Schlafstörungen.

wien. Die moderne „24-Stunden/7-Tage-Welt“ mit TV, Computern, Tablets und Smartphones sind schädlich, betonen Experten. „Ziel wäre es, die Schlafqualität zu erhöhen. Der Schlaf wird aber ein immer kostbareres Gut“, sagte Brigitte Holzinger vom Wiener Institut für Bewusstseins- und Traumforschung. Die Konsequenzen eines gestörten Schlafs können dramatisch sein. Gerda Saleta-Zyhlarz, Chefin des Schlaflabors im Wiener AKH, erklärt dazu: „Menschen mit Schlafstörungen gehen zweimal häufiger zum Arzt, werden zweimal häufiger ins Krankenhaus aufgenommen und haben sieben Mal häufiger Arbeits- oder Verkehrsunfälle.“

Geschwächtes Immunsystem

In Europa sind rund 45 Millionen Menschen von solchen Problemen betroffen. Schlafzeiten von täglich weniger als sieben Stunden schwächen messbar das Immunsystem. Die Krebsrate steigt, bösartige Tumoren metastasieren schneller. Eindeutig bewiesen ist, dass bei Kindern und Heranwachsenden TV (speziell im Kinderzimmer), Computerbildschirme, Tablets und Smartphones echte Schlafkiller sind. „In den USA verbringen Acht- bis Zehnjährige im Durchschnitt täglich 3,5 Stunden vor dem Fernseher, eine Stunde vor dem Computer und eine Stunde bei Video-Games. In Finnland sind es rund zwei Stunden. Die Schlafqualität ist besonders schlecht, wenn Kinder vor dem Schlafengehen vor dem Bildschirm sitzen“, weiß Kinderarzt Werner Sauseng.

Laut dem Experten sollten Kinder unter zwei Jahren überhaupt nie mit Bildschirmen zu tun haben, weil sie in diesem Alter noch nicht zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können. Im Vorschulalter sollten es täglich unter dreißig Minuten sein, im höheren Alter niemals mehr als zwei Stunden.

Eine erst im vergangenen Jahr publizierte Studie, in welcher die durchschnittlichen Schlafzeiten bei Naturvölkern in Südamerika und Zentralafrika erhoben worden war, zeigte, dass diese Menschen „nur“ sechs bis sieben Stunden schlafen. „Sieben bis acht Stunden bedeuten die höchste Lebenserwartung. Mehr oder weniger Schlaf bedeutet eine höhere Mortalitätsrate. Das gilt aber vor allem für die über 55-Jährigen“, sagte Gerhard Klösch (MedUni Wien).

Eine fundierte Diagnose ist bei belastenden Schlafstörungen die Voraussetzung für eine wirksame Therapie. Dazu kann auch eine Nacht im Schlaflabor beitragen. 17 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen sind beispielsweise von Schlafapnoe betroffen – mit bis zu 600 bis 800 Atempausen in der Nacht und dadurch auftretender schwerer Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns als Folge. Dagegen kann eine Maskenbeatmung helfen.

Handys sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Neben Vorteilen haben sie aber auch Nachteile. Foto: vol.at/rauch
Handys sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Neben Vorteilen haben sie aber auch Nachteile. Foto: vol.at/rauch