„Nachtschreck“ raubt Kindern oft den Schlaf

Gesund / 22.04.2016 • 09:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schlafstörungen sind keine Frage des Alters. Sie können schon im Baby- und Kleinkindalter vorkommen und zu Belastungen führen.
Schlafstörungen sind keine Frage des Alters. Sie können schon im Baby- und Kleinkindalter vorkommen und zu Belastungen führen.

Ursachen der Schlafstörung sind je nach Lebensalter unterschiedlich.

Wien. Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens veranstaltete die Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (ÖGSM/ASRA) eine Jubiläumstagung zum Thema „Schlafmedizin einst und heute“. Ein Schwerpunkt beleuchtete die häufigsten Ursachen von Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Zu den häufigsten kindlichen Schlafstörungen zählen Pavor nocturnus („Nachtschreck“), Schlafwandeln sowie Albträume.

Meist vorübergehend

Die Häufigkeit von Schlafstörungen und sogenannten schlafassoziierten Störungen im Kindesalter wird sehr unterschiedlich angegeben (10 bis 40 Prozent) und ist stark altersabhängig. „Bei vielen Problemen handelt es sich allerdings um keine Schlafstörungen im engeren Sinn, sondern um inadäquate Erwartungen, aber auch Fehlbetreuung durch die Eltern“, erklärte Univ.-Prof. Reinhold Kerbl vom LKH Hochsteiermark in Leoben. Die Ursache der Schlafstörung ist je nach Lebensalter unterschiedlich: Im Säuglingsalter handelt es sich oft noch um einen nicht völlig entwickelten Tages-/Nachtrhythmus, meist gepaart mit dem elterlichen Unverständnis für diesen physiologischen Entwicklungsprozess. Später stehen der „Nachtschreck“ und Schlafwandeln sowie Albträume im Vordergrund. Insbesondere der „Nachtschreck“ sei für viele Eltern besorgniserregend, hier sind Kinderärzte bezüglich Aufklärung und Verhaltensberatung gefordert. Der Nachtschreck beginnt zumeist mit einem angstvollen Schreien oder Weinen: „Das Kind befindet sich im Tiefschlaf und schreckt ganz plötzlich in Panik auf, oft verschwitzt, ohne Orientierung und nicht ansprechbar, obwohl die Augen weit geöffnet sind. Andere Personen erkennt das Kind in der Regel nicht. Nach einigen Minuten ist der Spuk vorbei, und das Kind schläft normal weiter“, erklärt Kerbl.

Kindliche Schlafstörungen können meist allein aufgrund des Vorberichts diagnostisch eingestuft werden. Von den Eltern angefertigte Videos sind oft hilfreich. In wenigen Fällen, insbesondere bei der Abgrenzung epileptischer Anfälle, ist eine schlafmedizinische Untersuchung erforderlich. Eher selten wird eine medikamentöse Therapie empfohlen.

Fernsehen und Handy

„Studienergebnisse zeigen, dass Bildschirmgewohnheiten spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit und das Ausbildungsniveau von Kindern haben können,“ erklärte der Grazer Kinderarzt Werner Sauseng. Zu lange Bildschirmzeiten führen nicht selten zu Schlafproblemen, insbesondere abendliches Fernsehen. „Es ist empfehlenswert und auch die Aufgabe der Eltern, die Zeit vor dem Bildschirm bzw. Display und auch die angesehenen Inhalte altersentsprechend zu begrenzen“, sagte Sauseng.

Schlaftipps

» Angenehmes Klima, ruhiger (nicht zu abgelegener) Raum, gutes Bett

» Eigenes Bett in der Nähe des elterlichen Schlafzimmers (im 1. Lebensjahr eigenes Bett im elterlichen Schlafzimmer)

» Kein völlig abgedunkelter Raum

» Geregelte Bettgehzeit ohne große zeitliche Schwankungen

» Kein Stress vor dem Schlafengehen (Fernsehen, Computerspiele etc.)

» Besprechen eventueller Ängste

» Abschließen des Tages („Bettgeh-Rituale“: zum Beispiel Gutenachtgeschichte, Abendgebet)

» Keine Drohungen („Wenn du nicht schläfst . . .“)