Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Geburtsfehler und Zika

28.07.2016 • 14:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Trotz der Häufigkeit von Geburtsfehlern ist deren Erforschung in den vergangenen Jahrzehnten massiv vernachlässigt worden. Auch heute noch bleiben trotz moderner Medizin drei Viertel aller Fehlbildungen ungeklärt. Die Zika-Virus-Infektion in der Schwangerschaft hat die Problematik wieder stärker in unser Bewusstsein gerückt und Versuche, die Zusammenhänge zu klären, massiv intensiviert. Man verspricht sich von den inzwischen auch die USA bedrohenden Infektionen Forschungsergebnisse, die neue Einsichten in die Mechanismen gewähren, wie es zu solchen Defekten kommen kann.

 

Wie häufig sind eigentlich Neugeborene von einem Geburtsfehler betroffen? Gute vergleichbare Statistiken sind sehr rar und zeigen eine deutliche Schwäche unserer Gesundheitsstatistik auf. Im Unterschied zu vielen anderen Registern, wie zum Beispiel dem Krebsregister, fehlt ein anerkanntes qualitätsgesichertes flächendeckendes Fehlbildungsregister im deutschsprachigen Raum fast komplett. Das heißt, dass wir die einfachsten Fragen nach der Häufigkeit von Fehlbildungen nicht beantworten und schon gar nicht Regionen vergleichen können. Nur massive Häufungen wie früher etwa das offene Rückenmark in England wurden auffällig und dann erforscht. Ursächlich konnte ein Folsäuremangel in der Ernährung bzw. bei den Schwangeren festgestellt werden. Mit der einfachen Maßnahme der Folsäure-Supplementierung vor und ganz am Anfang der Schwangerschaft wurde das Problem dramatisch reduziert. Dasselbe gilt für die Rötelinfektion und ihre gravierenden Defekte bei Neugeborenen in den 1960er-Jahren. Dieses Problem ist durch die Rötelnimpfung vollständig behoben. Die wenigen Impfverweigerer nutzen als „Trittbrettfahrer“ das Faktum, dass den Rötelnviren die (geimpften) Zwischenwirte für ihre Verbreitung fehlen. Sie gehen aber dennoch in der Schwangerschaft ein Risiko ein.

 

Kanada und USA haben soeben die Studienphase I zur Erprobung von zwei, im Zell- und Tierversuch vielversprechenden Zikaimpfstoffen zugelassen. Es ist zu hoffen, dass diese Impfung das Problem lösen wird.

 

Im Gegensatz zur Medizinstatistik im deutschsprachigen Raum ist das diagnostische und therapeutische Angebot in Vorarlberg für Kinder mit einer Behinderung im Bundesländervergleich hervorragend. Die Landesregierung unterstützt mit Millionenbeträgen viele spezifische Kinderdienste und erleichtert damit das Schicksal und die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Eltern. 

Ursachenforschung und Fehlbildungsstatistik müssen intensiviert werden.

redaktion@vorarlbergernachrichten.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein