Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Zika

Gesund / 26.08.2016 • 09:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Innerhalb von Monaten ist eine als harmlos eingeschätzte Viruserkrankung zu einem weltweiten Gesundheitsproblem (WHO) geworden. Am 30. Oktober 2015 meldete Brasilien einen ungewöhnlichen Anstieg an Fällen von Mikrozephalie (kleiner Kopf mit geistigen und neurologischen Behinderungen) bei Neugeborenen. Immer mehr werden auch Störungen der Augen und anderer Organsysteme bei Neugeborenen infizierter Schwangeren bekannt. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass nicht nur Schwangere gefährdet sind. Das Zikavirus kann auch bei Kindern und Erwachsenen zu erheblichen Entwicklungsstörungen und Schädigungen des zentralen Nervensystems führen. Je mehr wir wissen, umso schlimmer schaut es aus, sagt die Generaldirektorin der WHO, Dr. Margaret Chan: „Wir müssen das Unerwartete erwarten.“

Der erste große Ausbruch von durch Zikainfektion verursachten Krankheiten wurde von der Insel Yap (Mikronesien) im Jahr 2007 berichtet. Nach einem Ausbruch in Französisch-Polynesien in den Jahren 2013/14 wurde das gefürchtete Guillain-Barré-Syndrom (GBS) 20x häufiger diagnostiziert als im langjährigen Durchschnitt. Auch Brasilien hat im Mai 2015 über eine Assoziation von Zika-Virus-Infektion und GBS berichtet.

Aufgrund der üblicherweise milden Symptome der Krankheit ist es nicht verwunderlich, dass unter normalen Umständen das Virus früher beim Menschen nicht häufig isoliert wurde. Auch die klinische Ähnlichkeit von Zikainfektion mit Dengue-Fieber und Chikungunya ist ein Grund, warum die Krankheit in Asien bis zum ersten Ausbruch so selten diagnostiziert wurde.

Die Zikaviren übertragenden Stechmücken, vor allem der Gattung Aedes, kommen bei uns nicht vor, breiten sich jedoch in Südeuropa aus. Eine weitere Ausbreitung ist nicht ausgeschlossen. Für Europäer sind Reisen in tropische und subtropische Länder, die überwiegend betroffen sind, schon lange übliche Urlaubsziele. Europa muss sich, wie es jetzt auch sehr vehement in USA geschieht, auf Zika vorbereiten.

Für die Diagnostik hat die Industrie inzwischen hochwertige Tests entwickelt, die für eine sichere Diagnose zur Verfügung stehen. Bis zur Zulassung einer Impfung für Kinder und Erwachsene wird es noch Jahre dauern, ob es je eine Impfung für Schwangere geben wird, ist aus heutiger Sicht sehr zweifelhaft. Etliche Wissenschaftler nehmen an, dass bis zum Einsatz einer Impfung die dynamische Ausbreitung des Zikavirus vorbei sein wird.

Für die Therapie der Krankheit gibt es erste Überlegungen für Ansätze. Von den 10 Zikavirus-Proteinen werden
2 für die Schädigungen verantwortlich gemacht, gegen die eventuell in Zukunft gezielt vorgegangen werden kann.

Ein großes Problem ist derzeit die Finanzierung der notwendigen Forschung. Die angespannten Gesundheitsbudgets der Länder sind kaum zusätzlich belastbar und auch die WHO hat nur beschränkte Möglichkeiten. Die verheerenden Folgen von Zikavirus-Infektionen, auch wenn sie „nur“ bei 1 Prozent der Infizierten auftreten, werden die Kosten in den betroffenen Ländern deutlich erhöhen und sind somit auch ein volkswirtschaftliches Problem.

Europa muss sich, wie es jetzt auch sehr vehement in USA geschieht, auf Zika vorbereiten.

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Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein