Dankbar für das neue Leben

Gesund / 30.09.2016 • 09:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Astrid Entner weiß, wie mit einem Herzüberwachungsgerät umzugehen ist. Foto: khbg
Astrid Entner weiß, wie mit einem Herzüberwachungsgerät umzugehen ist. Foto: khbg

Weltherztag. Irmgard Fritsch aus Schruns lebt seit 25 Jahren mit einem Spenderherz.

Feldkirch. (VN-mm) „Ich bin dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt die 52-Jährige auch heute noch. Anlässlich des Weltherztags, der am 29. September auf dem Kalender steht, berichtete die Schrunserin im Rahmen einer Fachfortbildung im Landeskrankenhaus Feldkirch von ihrem „Leben danach“, das sie trotz der Widrigkeiten, die immer wieder einmal auftreten, als unendlich erfüllend empfindet.

Häufigste Todesursachen

Weltweit sterben jährlich über 17 Millionen Menschen an Herzinfarkten und Schlaganfällen. In Österreich sind rund 45 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen, in Vorarlberg werden pro Jahr etwa 750 Herzinfarkte und knapp 1000 Schlaganfälle verzeichnet. Dabei könnten gut 80 Prozent dieser Todesfälle durch eine Änderung des Lebensstils vermieden werden. Denn altersunabhängige Risikofaktoren sind Nikotinkonsum, Diabetes, Bluthochdruck, familiäre Belastung sowie ererbte oder erworbene Störung des Fettstoffwechsels. Einige dieser Risikofaktoren verstärken sich bei Übergewicht, Fehl­ernährung und Bewegungsmangel. Das Risiko von Herzinfarkten und anderen Erkrankungen steigt auch bei übermäßigem Alkoholkonsum. „Ein bestehendes Infarktrisiko kann bis zu 50 Prozent reduziert werden, wenn etwa das Rauchen eingestellt oder der Cholesterinspiegel durch gesunde Ernährung gesenkt wird“, verdeutlicht Primar Matthias Frick, Leiter der Abteilung für interventionelle Kardiologie am Landeskrankenhaus Feldkirch.

Vielschichtige Pflege

Dort hat das Pflegeteam der Kardiologie den Weltherztag zum Anlass genommen, eine Fortbildung für Pflegefachkräfte zu den Themen Herz-Kreislauferkrankungen zu veranstalten, an der schließlich mehr als 100 Interessierte teilnahmen. „Die Pflege von kardiologischen Patienten ist sehr vielschichtig und anspruchsvoll. Der Fortbildungstag diente der Auseinandersetzung mit aktuellen und praxisnahen Themen“, erklärt die Stationsleiterin der Pflege, Astrid Entner. Die Vortragenden stammten allesamt aus den Landeskrankenhäusern. Mediziner referierten gemeinsam mit Pflegefachkräften zu spezifischen Themen. „In der Behandlung von Patienten geht es ebenfalls um ein Miteinander der unterschiedlichen Disziplinen. Deshalb war uns die Interdisziplinarität wichtig“, erläutert Maria Lackinger, stellvertretende Pflegedirektorin und Mitorganisatorin.

Die Vorträge befassten sich mit dem frühzeitigen Erkennen und der effektiven Behandlung von Herzinsuffizienz, des akuten Herzinfarkts sowie dem Umgang mit Rhythmusstörungen. Dem sensiblen Thema Sterben auf der Herzüberwachungsstation war die Diskussionsrunde mit Palliativmedizin und –pflege gewidmet, dezidiert wurde das Spannungsfeld zwischen Hightech und Menschlichkeit diskutiert. Den spannenden Abschluss bildete der Erfahrungsbericht „Mein neues Herz – mein neues Leben“ von Irmgard Fritsch, die 1991 eine Herztransplantation hatte.

Mut machendes Beispiel

Irmgard Fritsch wurde als sogenanntes „blaues“ Baby geboren. Ihr Alltag war von ständiger ärztlicher Aufsicht und vielen Einschränkungen geprägt. Mit gerade einmal 20 Jahren erfolgte in München eine Operation am offenen Herzen. „Damals glaubten die Ärzte, dass sich mein Zustand so weit bessern würde, dass ich ein normales Leben führen könnte“, erzählt sie. Der Eingriff war erfolgreich, und ihr Zustand verbesserte sich tatsächlich. Irmgard Fritsch ging auf Reisen, konnte endlich umsetzen, was sie schon lange tun wollte. Doch das Glück hielt nicht. Ihr Zustand verschlechterte sich wieder. Sie wurde auf die Warteliste für eine Herztransplantation gesetzt. Nach sechs Monaten klingelte eines Morgens das Telefon. „Ja, ich bin bereit“, ließ Fritsch den Transplantkoordinator aus Wien mit fester Stimme wissen. Ihre Zuversicht lohnte sich. „Die Jahre waren nicht immer einfach, aber sie waren es wert zu kämpfen und die Hoffnung nie aufzugeben“, resümiert Irmgard Fritsch. Ihr Beispiel gibt auch vielen anderen Transplantierten Mut. „Wenn du es schaffst, schaffe ich es auch“, hört sie immer wieder. Fritsch engagiert sich zudem im Verband der österreichischen Herz- und Lungentransplantierten. Die Leitungsfunktion hat sie zwar zurückgelegt, als Ansprechpartnerin für Vorarlberg ist sie aber immer noch aktiv.

Der Fortbildungstag diente der Auseinandersetzung mit aktuellen und praxisnahen Themen.

Astrid Entner