Krebsdiäten – sinnvoll oder nicht?

Gesund / 06.10.2016 • 18:26 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wer zu frischen, bunten und saisonalen Lebensmitteln greift, liegt garantiert nie daneben und tut für seine Gesundheit genau das Richtige.
Wer zu frischen, bunten und saisonalen Lebensmitteln greift, liegt garantiert nie daneben und tut für seine Gesundheit genau das Richtige.

Ein Wegweiser mit Ernährungsempfehlungen bei Krebserkrankung.

Batschuns. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der Vorbeugung vieler Erkrankungen, auch von Krebs. Inzwischen weiß man, dass durch die richtige Ernährung jedoch auch eine bereits bestehende Krebserkrankung positiv beeinflusst werden kann. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es jedoch keine allgemeingültige „Krebsdiät“ gibt. „Manche der im Internet oder in Zeitschriften angebotenen Diäten und Fastenkuren können Krebspatienten mehr schaden als nutzen, manche sind sogar gefährlich“, warnt Gebhard Mathis, Präsident der Vorarlberger Krebshilfe. Denn nicht immer erhalten die Patienten dabei die notwendigen Kalorien oder Nährstoffe. Sie verlieren zum Teil auch wichtige Mineralstoffe mit schwerwiegenden Folgen für den Stoffwechsel.

Ernährungsempfehlungen

Welche gängigen Ernährungsempfehlungen bei Krebs gibt es und welche sind hilfreich, welche schädlich? Lässt sich Krebs durch Zuckerentzug oder den Entzug von Kohlehydraten „aushungern“? Welche, auch populären „Krebsdiäten“ sind zu einseitig und für Patienten viel zu belastend? Woran können Betroffene und Angehörige unseriöse und einseitige Ernährungstipps erkennen? Worauf sollte man als Krebspatient achten, wenn man sich richtig ernähren möchte? Darauf will ein Seminar im Bildungshaus Batschuns am Donnerstag, 13. Oktober, Antworten geben.

Einfluss auf die Krebsentstehung hat neben genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren, körperlicher Aktivität und Körperzusammensetzung ganz wesentlich die Ernährung. Der World Cancer Found hat etwa 7000 Studien analysiert, die die wesentlichen Risikofaktoren aufzeigen. Diese sind

» zu viel Fett: vor allem ein Zuviel an tierischen Fetten erhöhen das Krebsrisiko (Omega 6 Fettsäuren). Es kommt zu einer verstärkten Gallensäureproduktion. Den besten Schutz bieten pflanzliche Fette, wie Olivenöl oder auch Fischöl. Ideal: die Kretadiät.

» zu hoher Fleischkonsum. Ein Zuviel an Fleisch wird im Körper zu Ammoniak umgebaut, der begünstigt die Krebsentstehung.

» Alkohol: Wer mehr als 10 bis 40 g Alkohol zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Zum Vergleich: 1 Glas Wein enthält 20 g reinen Alkohol, ½ Liter Bier 25 g.

Eine gewisse Schutzfunktion haben folgende Lebensmittel:

» Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate. Diese sind wichtig, um die Darmtätigkeit anzuregen und Verstopfung zu vermeiden.

» Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe

» Calcium

» Obst schützt wahrscheinlich vor Mund-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Magen- und Lungenkrebs. Eingeschränkt auch vor Nasopharynx-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber. und Darmkrebs.

Eine besondere Bedeutung hat Alliumgemüse, also Zwiebel und Knoblauch. Zwiebel und Lauchgemüse schützen wahrscheinlich vor Magenkrebs, Knoblauch vor Darmkrebs. Das Darmkrebsrisiko erhöhen rotes Fleisch, Fleischprodukte, Alkohol, Körperfett, Bauchfett, Zucker. Das Darmkrebsrisiko senken körperliche Aktivität (täglich 30 Minuten Bewegung), Ballaststoffe, Knoblauch, Milch, Calzium, Obst.

Das Brustkrebsrisiko erhöhen Alkohol, Körperfett, Bauchfett, Körpergröße im Erwachsenenalter, Gewichtszunahme. Das Prostatakrebsrisiko erhöhen zu viel Calcium, zu viel Fleisch, zu viel Milch und Milchprodukte. Das Prostatakrebsrisiko senken Lycoprin, Selen, Soja, Hülsenfrüchte, Vitamin E. Fazit: Es gibt keine spezielle Krebsdiät, weder zur Vorbeugung noch zur Heilung. Schützend wirkt eine ausgewogene Kost. Die Top-6-Nahrungsmittel, die vor Krebs schützen: Brokkoli, Tomaten, Soja, Zitronen, Zwiebeln, Karotten. Empfehlung: Rot-gelb-grünes Obst und Gemüse sowie Bewegung sind der beste Schutz vor Krebs.

Individuelle Therapie

Eine Diät, die Krebs heilen kann, gibt es bisher jedoch nicht. Jede Erkrankung ist anders, eine Therapie muss daher individuell auf den Betroffenen zugeschnitten werden. Andererseits kann eine gesunde, ausgeglichene Ernährung die Lebensqualität von Krebspatienten wesentlich verbessern. Allerdings gibt es bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die die günstige Wirkung einer Ernährungsform eindeutig bestätigen.

Termin

Seminar Ernährung und Krebs

» Termin: Donnerstag, 13. Oktober 2016, 14 bis 17 Uhr, Bildungshaus Batschuns.

» Eingeladen sind Ärzte, Pflegekräfte und Interessierte.

» Leitung: Univ.-Prof. Gebhard Mathis und Claudia Brugger, Diätologin

» Kursbeitrag: 45 Euro

» Anmeldungen: Bildungshaus Batschuns