Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Verlässliche Strukturen

Gesund / 10.02.2017 • 10:18 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Jetzt haben sie es geschafft. Jetzt sind sie da, die beseelt herbeigeredeten Semesterferien. Seit Weihnachten ist ja schon wieder so viel Zeit vergangen. Und so viel musste für die Schule gelernt werden. Klar, es ging ja auch um das Semesterzeugnis. Die beiden Mädchen, die sich da auf der Bank im Buswartehäuschen eifrig gestikulierend und munter plappernd so inbrünstig das Ende des ersten Schulhalbjahres herbeiwünschten, können nun jedenfalls durchatmen. Eine Woche nicht an Deutsch, Mathe und andere Fächer denken. Nur chillen und süßes Nichtstun.

Sie sollen es genießen. Der Ernst des Lebens hat sie früh genug. Trotzdem können es viele Jugendliche kaum erwarten, dass hinter ihnen die Schultüren endgültig ins Schloss fallen. Frei sein für anderes, tun und lassen können, was man möchte . . .
schön wäre es. Aber der Alltag nach der Schulzeit ist oft ein härterer. Da gelten andere Regeln. Da müssen sich die jungen Leute erst recht beweisen. Doch die Erkenntnis kommt häufig erst später. Ich bin immer gerne in die Schule gegangen, habe sie ein Stück weit als Struktur empfunden, an der entlang sich das Leben abspielte. Etwas, auf das Verlass war, nach dem sich Tage, Monate und Jahre ausrichteten. Ein Stück Verlässlichkeit in einer Welt, die noch verlässlich war. Klingt verbrämt, war aber so. Heute sieht die Sache zugegebenermaßen anders aus. Die Anforderungen an die Kinder wachsen, auf dem Globus ist es unruhig geworden. Deshalb liegt es an uns, ihnen einen Rahmen zu schaffen, in den sie sich fallen lassen können, ohne gleich durchzufallen.

marlies.mohr@vn.at

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