Die wichtigste Brücke zur Rettung

Gesund / 17.02.2017 • 08:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinhard Folie hatte noch viele Fragen zu beantworten.
Reinhard Folie hatte noch viele Fragen zu beantworten.

Die Laienhilfe kann bei einem Notfall über Leben und Tod entscheiden.

Feldkirch. (VN-mm) Durchschnittlich zwanzig Notfälle ereignen sich pro Tag in Vorarlberg. Das fordert nicht nur die professionellen Retter, sondern auch die Laienhelfer. „Sie sind eigentlich das wichtigste Glied in der Überlebenskette“, verdeutlichte Primar Reinhard Folie. Denn mit jeder Minute, die im Ernstfall ungenützt verstreicht, sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Reanimation. Erfreuliches gab es in diesem Zusammenhang aus einer Erhebung der Rettungsdienste zu berichten. Der zufolge trauen sich 80 Prozent der Befragten zu, Ersthilfe leisten zu können.

Anteil könnte höher sein

Das ist besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der häufigsten Todesursache, von Bedeutung. Laut Folie überleben bis zu zehn Prozent der Betroffenen eine solche Attacke mit guter Lebensqualität. „Durch Laienhilfe könnte dieser Anteil aber noch erhöht werden“, zeigte sich der Leiter der Anästhesie und Intensivmedizin im Landeskrankenhaus Bregenz überzeugt. Auch, weil sich die meisten dieser lebensbedrohlichen Vorkommnisse im eigenen häuslichen Umfeld abspielen. Und er machte den MedKonkret-Besuchern Mut: „Die Basismaßnahmen der Ersthilfe sind leicht zu lernen und leicht durchzuführen.“ Vor allem aber sind sie die sprichwörtlich wichtigste Brücke zur Rettung.

Vorarlberg verfügt über ein flächendeckendes Rettungssystem, das schnelle Hilfe gewährleistet. „Innerhalb von 10 bis maximal 15 Minuten können Einsatzkräfte vor Ort sein“, bestätigte Reinhard Folie. Koordiniert wird jeder Einsatz mit Mitarbeitern der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL), wohin auch alle Anrufe kommen. Die wichtigsten Notrufnummern sind 144 und der Euro-Notruf 112. „Bei einem Notfall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren“, schärfte Primar Folie den Zuhörern ein. Dann geht es darum, sich einen Überblick zu verschaffen, um dem RFL-Disponenten möglichst genaue Angaben machen zu können. Die weitere Hilfe besteht darin, sich um das Opfer zu kümmern. „Sprechen Sie den Patienten an, beruhigen Sie ihn und prüfen Sie die Atmung.“ Sind keine Atembewegungen feststellbar, muss reanimiert werden, damit das Gehirn weiterhin Sauerstoff erhält. Die Qualität der Herzdruckmassage lässt nach ein bis zwei Minuten jedoch nach, weil diese Arbeit sehr anstrengend ist. „Deshalb abwechseln, wenn noch andere Personen dabei sind“, lautete die Empfehlung.

Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung ist nicht jedermanns Sache. Reinhard Folie beruhigte: „Wenn man es nicht machen will, soll man es lassen und stattdessen drücken, drücken, drücken.“ Und zuletzt noch einmal die eindringliche Botschaft: „Nur wer nichts tut, macht etwas falsch!“

Im gut besuchten Panoramasaal des LKH Feldkirch traf Primar Reinhard Folie auf sehr interessierte Zuhörer. Fotos: vn/hartinger
Im gut besuchten Panoramasaal des LKH Feldkirch traf Primar Reinhard Folie auf sehr interessierte Zuhörer. Fotos: vn/hartinger

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