Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Verhütung mit der Spirale

Gesund / 24.02.2017 • 10:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Nach 90 Jahren turbulenter Entwicklung stehen uns heute zwei hervorragende Methoden der lokalen Empfängnisverhütung in der Gebärmutter, umgangssprachlich „Spirale“ genannt, zur Verfügung. Der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg hat 1930 seine ersten positiven Ergebnisse mit der Silberspirale berichtet. Eine Schwangerschaftsrate von nur 1,6 Prozent war für die damalige Zeit einzigartig. Dass der 26-Prozent-Kupferanteil im deutschen Silber für die empfängnisverhütende Wirkung verantwortlich war, wurde erst viel später erkannt. In den USA hat die Silberspirale aufgrund der zu geringen Kupferverunreinigung nicht funktioniert. Die politischen Verhältnisse in Deutschland haben 1933 dazu geführt, dass der Jude Gräfenberg seinen Chefarztposten verlor, ihm sein Doktorat aberkannt wurde und er im Gefängnis landete. Das zu reine Silber in den USA und die Nazis in Deutschland haben verhindert, dass die Bedeutung von Gräfenbergs Entdeckung erst Jahrzehnte später erkannt und gewürdigt wurde. Das Kupfer macht den Samen unbeweglich und verhindert damit eine Befruchtung.

Auch noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert war die Spiralen-Forschung aus heutiger Sicht schlampig. Bis in die 1980er-Jahre ist es zu schweren Entzündungen und einigen tödlichen Komplikationen gekommen. Diese Erinnerung hemmt den breiten Einsatz der Spirale bis heute. Aus allen diesen Fehlern hat man gelernt. Seit 30 Jahren stehen die moderne Kupferspirale und seit gut 25 Jahren die Hormonspirale zur Verfügung. Letztere macht den Schleim im Gebärmutterhals für den Samen unpassierbar. Beide Spiralen haben in riesigen Studien ihr empfängnisverhütendes Potenzial und ihre medizinische Sicherheit bewiesen. Die kontrazeptive Sicherheit der Spirale ist wesentlich besser als die der „Pille“. In der westlichen Welt hat die Spirale in den 2000er-Jahren ein großes Comeback erlebt mit weiter steigender Tendenz. Weltweit ist die Spirale die Nr. 1 der Empfängnisverhütung.

Der große Vorteil der intrauterinen (d. h. in der Gebärmutterhöhle liegenden) Empfängnisverhütung ist im Unterschied zur Pille, dass sie nur lokal wirkt und die Funktion der Eierstöcke mit ihrer natürlichen Hormonproduktion erhalten bleibt. Ein weiterer Vorteil ist die Langzeitanwendung. Die Hormonspiralen haben zusätzlich den Nutzen einer schwächeren Regelblutung und eines positiven Einflusses auf Regelschmerzen. Für die Kupferspirale gibt es schon lange neben den Standardgrößen auch kleinere Modelle für Teenager und Frauen, die noch nicht geboren haben. In letzter Zeit wurden auch kleinere Hormonspiralen mit einer Liegedauer von 3 bzw. 5 Jahren von den wichtigsten medizinischen Kontrollbehörden (FDA /USA und EMA/EU) zugelassen. 

Sichere Langzeitverhütung verhindert ungeplante Schwangerschaften.

hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein

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