Ein langer Weg gegen die Diskriminierung

24.03.2017 • 08:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Maria Winder (l.) und Ehrentraud Hagleitner haben die Geschicke des Vereins maßgeblich mitgestaltet und tun es immer noch.  Foto:hpe
Maria Winder (l.) und Ehrentraud Hagleitner haben die Geschicke des Vereins maßgeblich mitgestaltet und tun es immer noch. Foto:hpe

HPE-Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter feiert 20-jähriges Bestehen.

Bregenz. Vor 20 Jahren haben Angehörige psychisch Erkrankter HPE Vorarlberg gegründet. Eine Tagung in Wien gab den Anstoß, auch in Vorarlberg einen „Ableger“ der österreichweiten Initiative ins Leben zu rufen. Am 30. März findet in der Landwirtschaftsschule in Hohenems um 19 Uhr ein Festvortrag mit Janine Berg-Peer, Buchautorin, Coach, Mutter und Betroffene, statt. Das Thema: Das Leben als Angehörige psychisch Erkrankter – ein unfreiwilliges Abenteuer. Der Eintritt ist frei.

Wenn jemand in der Familie an einer psychischen Erkrankung leidet, ist das phasenweise eine große Belastung. „Nahestehende Menschen sind immer mitbetroffen“, weiß Obfrau Maria Winder. 1997 wurde HPE Vorarlberg von Angehörigen gegründet. Zusammengeführt hat sie die Erkrankung eines ihrer Familienmitglieder.

Scham, Angst, Hilflosigkeit und oft Überforderung waren Erfahrungen, die sie geteilt haben. „So unterschiedlich die Krankengeschichten sind, die Probleme von Angehörigen sind sich meist sehr ähnlich“, ergänzt Ehrentraud Hagleitner, Gründungsmitglied von HPE Vorarlberg und mehrere Jahre Vorsitzende von HPE Österreich. Immer wieder passiert es, dass Angehörige psychisch kranker Menschen langfristig selbst erkranken. Oft zeigt sich der seelische Stress zuerst körperlich: Angehörige klagen über Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magenbeschwerden. Zu wissen, wo man Informationen und Hilfe bekommen kann, ist der erste Schritt zur Entlastung, sind die beiden ehrenamtlich tätigen Frauen überzeugt. „Wer besser über eine Krankheit Bescheid weiß, kann besser mit ihr umgehen.“

Regelmäßige HPE-Treffen ermöglichen den Austausch untereinander. Wer hier das erste Mal dabei ist, erfährt, dass er mit diesem Schicksal nicht alleine ist. Maria Winder: „Ein wichtiges Ziel für Angehörige ist es zu lernen, sich abzugrenzen und im Alltag Momente des Krafttankens zu finden.“ Damit dies immer wieder gelingt, ist gegenseitige Unterstützung in der Gruppe sehr hilfreich.

Abbau von Vorurteilen

HPE engagiert sich auch für eine Entstigmatisierung psychisch Erkrankter. „Wir wünschen uns, dass über psychische Erkrankungen gesprochen werden kann wie über andere Diagnosen auch.“ Sensibilisierung für beide Seiten, die der Betroffenen und die der Angehörigen: Darum geht es in der Verbandsarbeit ebenfalls. Gemeinsame Veranstaltungen und der Austausch mit  Institutionen sowie die Anwesenheit im Psychiatriebeirat des Landes tragen dazu bei, dass Angehörige in den vergangenen Jahren verstärkt eine Stimme bekommen haben.

Anmeldung für den Vortrag: E-Mail: hpe-vorarlberg@hpe.at;
Tel. 0664/7805085,
weitere Infos: www.hpe.at