Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

Sexualität im Alter

24.03.2017 • 08:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sexualität und Lust im Alter werden öffentlich kaum behandelt. Dabei ist Sexualität völlig altersunabhängig, von der Kindheit bis ins hohe Alter ein menschliches Urbedürfnis und fördert die Gesundheit. Sexualität, Erotik und Liebe sind im Wesentlichen auch unabhängig von Hormonen, Attraktivität und Handicaps. Häufig wird unter Sexualität nur das verstanden, was Jugendliche und noch nicht alte Erwachsene unter „Sex“ verstehen, praktizieren und was nur dieser Altersgruppe zugetraut und zugestanden wird.

Junge Menschen können sich kaum vorstellen, dass Paare über 50 oder gar über 70 noch ein erfülltes Sexleben haben können. Dabei berichten gerade diese Altersgruppen über die schönste und beste Sexualität in ihrem Leben. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Gesundheit, und wir wissen heute, dass hier Wechselbeziehung in beiden Richtungen besteht. Gesundheit ermöglicht eine bessere Sexualität im Alter, aber auch umgekehrt fördert gelebte Sexualität die Gesundheit im Alter.

Eine entscheidende Bedeutung für eine gute Sexualität hat die Qualität der Partnerschaft. Dazu gehören Zuneigung, Geborgenheit, Intimität und Liebe. Ich kann hier nur einige körperliche Aspekte beleuchten. Bei Frauen können sich das Erlöschen der Fruchtbarkeit nach dem Wechsel und der relative Anstieg des männlichen Hormons Testosteron sogar günstig auf die Libido auswirken. Natürlich gibt es mit zunehmendem Alter auch körperliche Probleme, die ein erfülltes Sexualleben erschweren. Ein häufiges, aber einfach zu behebendes Problem bei der Frau ist die zunehmende Trockenheit und geringere Elastizität der Scheide, die zu Schmerzen beim Verkehr und damit bis zu einem vollständigen Lustverlust führen können. Dieses Problem ist ungefähr so häufig wie das mehr oder weniger ausgeprägte Potenzproblem beim gleichaltrigen Mann. Grob gesagt entspricht das Alter dem Prozentsatz von Erektionsstörungen beim Mann und Problemen mit der Scheide bei der Frau.

Bei der Frau können diese Probleme mit einer niedrigdosierten, nur lokal wirksamen Hormoncreme bzw. Zäpfchen behoben werden. Damit werden Durchblutung, Elastizität, Festigkeit und Feuchtigkeit der Scheide wieder hergestellt und die Schmerzen behoben. Diese Therapie ist bei korrekter Anwendung praktisch risikolos. Die rein körperlichen Ursachen für Potenzprobleme beim Mann sind nicht so einfach zu beheben. Dazu kommt, dass es sich hier immer noch um einen Tabubereich handelt. Aber gerade bei den Männern besteht eine sehr enge Beziehung von Gesundheit und Potenz (erektile Dysfunktion). Im Rahmen jeder Gesundenuntersuchung sollte eine erektile Dysfunktion angesprochen und abgeklärt werden. Heute stehen viele gute Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: gesunder Lebensstil und Medikamente, Penisring, Pumpe und aufwändigere Verfahren.

Im Alter kann Sexualität besonders erfüllend und lustvoll sein.

hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein