Bewegung hat eine günstige Wirkung

14.04.2017 • 07:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Körperliche Aktivitäten, in welcher Form auch immer, zeigen selbst bei Erkrankungen positive Auswirkungen. dpa
Körperliche Aktivitäten, in welcher Form auch immer, zeigen selbst bei Erkrankungen positive Auswirkungen. dpa

Immer mehr Studien belegen die Bedeutung von Bewegung für Parkinson-Betroffene.

Wien. Eine möglichst frühe Diagnose und ein rascher Behandlungsbeginn sind entscheidend, um Parkinson-Betroffenen eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Immer mehr Studien belegen die große Bedeutung von Physiotherapie und regelmäßiger Bewegung für Symptomkontrolle und Wohlbefinden. Darauf weisen die Österreichische Parkinsongesellschaft und die Österreichische Gesellschaft für Neurologie hin.

Noch keine Heilung möglich

„Morbus Parkinson, eine neurodegenerative Erkrankung, betrifft weltweit etwa sieben bis zehn Millionen Menschen, in Österreich sind aktuell etwa 16.000 Menschen erkrankt“, sagt Univ.-Prof. Eduard Auff, Präsident der Österreichischen Parkinson-Gesellschaft. „Im Gehirn dieser Patienten sind insbesondere jene Nervenzellen angegriffen, die Dopamin als Transmitter benutzen.“ Schätzungen zufolge dürfte sich die Zahl der Fälle schon aufgrund der steigenden Lebenserwartung bis 2030 zumindest verdoppeln. Eine Heilung der Parkinson-Erkrankung oder eine Modifikation des Krankheitsverlaufs ist bis heute nicht möglich, auch wenn Forschergruppen weltweit intensiv verschiedenen diesbezüglichen Therapieoptionen nachgehen, darunter beispielsweise immunologischen Ansätzen („Parkinson-Impfung“) oder dem Einsatz pluripotenter Stammzellen.

Früherkennung mit Nutzen

Die Früherkennung hat selbst ohne krankheitsmodifizierende Behandlungsmethoden einen wichtigen Nutzen für Betroffene. Auff: „Eine möglichst frühe Diagnose ist schon deshalb von Bedeutung, weil wir heute zahlreiche Therapieoptionen haben, um die motorischen und nichtmotorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung in den unterschiedlichen Stadien, der jeweiligen individuellen Situation angepasst, zu verbessern. Die Palette reicht von medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten bis hin zu invasiven und operativen Verfahren wie der tiefen Hirnstimulation für ausgewählte Patientengruppen. All das verbessert sehr deutlich die Lebensqualität, und viele Patienten können durch eine gute Symptomkontrolle über einen langen Zeitraum ein weitgehend unbehindertes Leben führen.“

Viele neue Erkenntnisse gibt es zu nichtmedikamentösen Interventionen, die günstig auf Symptome wirken und die Lebensqualität von Patienten positiv beeinflussen. Dabei geht es nicht nur um physiotherapeutische Maßnahmen im engeren Sinn. „Mehr als 70 randomisierte Studien haben sich allein in den vergangenen vier Jahren mit den vielfältigen Wirkungen von körperlicher Bewegung und Aktivierung beschäftigt, etwa geräte-gestütztes Krafttraining, verschiedenste Ausdauersportarten, Tai-Chi, Qi Gong oder auch Tanzen. Die Evidenz für den spezifischen Nutzen mit Auswirkungen auf Krankheitssymptome, aber auch eine unspezifische Verbesserung des Wohlbefindens, ist mittlerweile sehr gut dokumentiert, wir sollten also unseren Patienten empfehlen, auch selbst mit unterschiedlichen körperlichen und sportlichen Aktivitäten zur Verbesserung beizutragen.“

Krankheitszeichen

Die Phase, in der Betroffene ohne starke Einschränkung leben können, hat sich verlängert. Auff: „Wir müssen daher auch immer mehr beim Einsatz und der Auswahl von Medikamenten die steigende Lebenserwartung und die Spezifika bei betagten Patienten berücksichtigen.“ Wichtig sei, im Therapiekonzept den nicht-motorischen Krankheitszeichen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. „Typisch und häufig sind Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Depression, Verstopfung, Blasenstörungen und chronische Schmerzen, wobei diese Symptome von Betroffenen nicht selten belastender als die motorischen Symptome erlebt werden.“ Nicht unterschätzt werden dürfe auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Veränderungen, die durch die Medikation selbst hervorgerufen oder verstärkt werden können.