Ein Schlaganfall verändert oft alles

21.04.2017 • 07:57 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Primar Philipp Werner referierte vor einer imposanten Besucherkulisse. Fotos: vn/paulitsch
Primar Philipp Werner referierte vor einer imposanten Besucherkulisse. Fotos: vn/paulitsch

Aufklärung über diese unberechenbare Krankheit ist immer noch wichtig.

dornbirn. (VN-mm) Das Thema war nicht neu. Und doch kann nicht genug über den Schlaganfall aufgeklärt werden. Dieser Aufgabe hat sich auch die Gesundheitsplattform MedKonkret verschrieben.

Wie begehrt Informationen über diese unberechenbare Erkrankung sind, zeigte der Vortrag von Primar Philipp Werner in der Messe Dornbirn. Rund 500 Besucher füllten die Halle 13 bis fast auf den letzten Platz. Sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. Laut Volksmund sagen zwar Bilder mehr als tausend Worte. In diesem Fall waren es aber Videos, die veranschaulichten, welche Folgen ein Schlaganfall zeitigen kann und dass es sich lohnt, wenigstens beeinflussbare Risikofaktoren zu minimieren. Werner warnte außerdem davor, nur kurzzeitig auftretende plötzliche
Störungen als „Schlägle“ abzutun, sie sogar unbehandelt zu lassen. Denn das befeuert die Gefahr eines großen Schlaganfalls bis zum Zehnfachen.

Tendenz steigend

Der Schlaganfall ist die häufigste Erkrankung, die zu bleibenden Schäden führt. Rund 15 Prozent der Betroffenen werden zu Pflegefällen. Zudem stellt der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache dar. In Österreich trifft die Diagnose jährlich rund 25.000 Menschen, in Vorarlberg sind es etwa 1000. Aufgrund der hohen Lebenserwartung prognostizieren Experten bis 2030 ein Ansteigen der Schlaganfälle auf bis zu 40.000 pro Jahr. Statistisch gesehen erleidet jeder Vierte irgendwann einen Schlaganfall. Und: Treffen kann es jeden, vom Säugling bis zum Senior. „Der Schlaganfall macht keine Unterschiede“, verdeutlichte Philipp Werner, der im Landeskrankenhaus Feldkirch die Stroke Unit leitet. 

Auch der Neurologe sieht in der Aufklärung eine wichtige Arbeit. Es gelte, schon den ersten Schlaganfall zu verhindern. Im anderen Fall sei eine gute Rettungskette wichtig. Als Ziel der Therapie nach einem Schlaganfall bezeichnete Werner die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bei Berufstätigen oder das Zurechtfinden im Alltag bei älteren Menschen. Die Sekundärprävention konzentriert sich dann auf das Verhindern eines weiteren Ereignisses.

Etwa 85 Prozent der Schlaganfälle sind Infarkte. Aufgrund eines „akuten Gefäßproblems“ kommt es zu plötzlichen Funktionsstörungen im Gehirn mit schlagartig auftretenden körperlichen Ausfallserscheinungen. „Alles, was plötzlich am Körper auftritt, ist zu 80 Prozent ein Schlaganfall“, präzisierte Primar Werner. Dazu zählen Lähmungserscheinungen, Sprach-, Sprech- und Sehstörungen sowie Gangunsicherheiten. „Wenn sie an einer Person solche Symptome feststellen, animieren Sie sie, zu lächeln, einen einfachen Satz nachzusprechen und die Arme mit den Handflächen nach oben auszustrecken“, legte der Arzt den Besuchern ans Herz. Danach heißt es, keine Zeit mehr verlieren, sondern den Notruf 144 zu wählen. Wichtig ist auch, entsprechende Infos vorzubereiten: Wann haben die Beschwerden begonnen? Wie haben sich die Symptome entwickelt? Welche Medikamente nimmt der Patient? „Das sind Fragen, die wir Ärzte wissen sollten“, merkte Philipp Werner an. 

Ausbreitung verhindern

Die Zeit drängt deshalb, weil sich ein Schlaganfall unbehandelt sukzessive im Gehirn ausbreitet und alles, was ihm in die Quere kommt, vernichtet. Für eine medikamentöse Intervention zur Auflösung des Blutgerinnsels bleiben gerade einmal viereinhalb Stunden. Danach darf die Lysetherapie nicht mehr angewendet werden.

Eine neue Behandlungsmethode ist jene mittels Katheter. Über die Leiste wird ein Mikrokatheter ins Gehirn geführt und das Blutgerinnsel abgesaugt. Für diese Therapie kommen jedoch nur 10 bis 15 Prozent der Patienten infrage. Bei der Diagnose eines Schlaganfalls kommt immer öfter die Magnetresonanztomografie zum Einsatz, weil sich die Gehirnstrukturen besser darstellen lassen als bei einem CT. „In 10 bis 15 Minuten steht die Diagnose fest“, verdeutlichte Werner, dass im Krankenhaus schnell gearbeitet werden kann, wenn die Patienten schnell kommen.

Lebensstil als Risiko

Probleme mit den Gefäßen sind die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Vor allem die Gefäßverkalkung leistet dieser Erkrankung mächtig Vorschub. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung einer Gefäßverkalkung spielt der Lebensstil. Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Cholesterin, Nikotin, Alkohol und Stress sind in diesem Zusammenhang zwar die gängigsten Übel, aber sie lassen sich abstellen. „Das Risiko steigt mit dem Ausmaß der Risikofaktoren“, gab Primar Werner zu bedenken. Und: „Ein Schlaganfall verändert nicht nur das eigene Leben, sondern auch jenes der Familie und des sozialen Umfeldes.“ Nicht zu beeinflussen sind Alter, Geschlecht und genetische Veranlagung.

Nach einem Schlaganfall werden Betroffene schnellstmöglich aktiviert. In der stationären Frührehabilitation kann schon einiges erreicht werden. Danach folgt die ambulante Reha. In Vorarlberg wird diese von der Sozialmedizinischen Organisation (SMO) sowie dem aks wohnortnah angeboten. 

Gesundheitslandesrat Christian Bernhard stattete der MedKonkret-Veranstaltung in Dornbirn ebenfalls einen Besuch ab. In seinen Grußworten betonte er die Wichtigkeit, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken. Das sei auch ein Schwerpunkt im Land. Veranstaltungen wie MedKonkret würden dazu einen wesentlichen Beitrag leisten.