Österreichischer Palliativkongress in Bregenz

21.04.2017 • 06:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine gute Schmerzbehandlung stärkt auch den Lebenswillen.
Eine gute Schmerzbehandlung stärkt auch den Lebenswillen.

Publikumsveranstaltung am Freitag, 28. April, zu „Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“.

Bregenz. Im Rahmen des Österreichischen Palliativkongresses, zu welchem über 1000 deutschsprachige Experten der Palliative Care in Vorarlberg erwartet werden, ist auch eine öffentlich zugängliche Publikumsveranstaltung vorgesehen: Die Organisatoren, OA Otto Gehmacher und Anni Frick von der Palliativstation am LKH Hohenems sowie Karl Bitschnau, Hospiz, laden am Freitag, 28. April 2017, um 20 Uhr ins Festspielhaus zur Diskussion „Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“ ein.

Die Kongressthemen betreffen viele Menschen: sei es als Angehörige, sei es aus beruflichen Gründen oder schlicht, weil jeder betroffen ist. Daher haben sich die Kongressorganisatoren entschlossen, einen öffentlichen Informationsabend zum Thema „Sterbebegleitung statt Sterbehilfe“ zu gestalten. Es referieren Otto Gehmacher (Arzt Palliativstation LKH Hohenems), Gerhard Häfele (Seelsorge LKH Hohenems), Hilde Kössler (Pflege) und Prof. Herbert Watzke (Palliativmedizin MedUni Wien). Die Referenten berichten über Fallbeispiele aus ihrer Arbeit und stellen sich anschließend einer Podiumsdiskussion. Moderiert wird der Abend vom Präsidenten der österreichischen Palliativgesellschaft, Harald Retschitzegger. Die Besucher haben auch Gelegenheit, Fragen an die Experten zu richten.

Wunsch nach Leben

OA Otto Gehmacher kennt solche Situationen: „Ein 43-jähriger Mann mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, welche die gesamte recht Lunge befällt, ringt nach Luft, hat Angst, ist verzweifelt, will sterben. Nach Gabe entsprechender Medikamente beruhigt sich die Situation, das Sterben ist kein Thema mehr, im Gegenteil, der Patient will alles tun, um zu leben, ist sogar bereit, nochmals eine Chemotherapie zu probieren.“ Dieser kurze Ausschnitt aus einer Patientengeschichte zeigt, wie nahe der Wunsch nach Sterben und der Wunsch, um jeden Preis leben zu wollen, beisammenliegen können. Eine gute Symptomkontrolle, der Erhalt der Würde und das Vermitteln von Geborgenheit schaffen oft die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Leid ertragen können. „Für mich ist dieser ungeheure Lebenswille, den Patienten auch in schwersten Krankheitssituationen zeigen, immer wieder bewundernswert“, sagt Gehmacher.

Prof. Herbert Watzke meint, dass die öffentliche Diskussion um den ärztlich assistierten Suizid in Österreich unter anderem von einer erstaunlichen Unkenntnis darüber geprägt ist, welche weitreichenden legalen Möglichkeiten zur Behandlung von jenen äußerst seltenen Situationen am Lebensende bestehen, in denen Beschwerden trotz Ausschöpfung aller medizinischen Möglichkeiten für die betroffenen Patienten unerträglich bleiben. „Aufgabe der Palliativmedizin im öffentlichen Diskurs ist es deshalb, darauf hinzuweisen, dass Situationen von unerträglichem Leid am Lebensende in der Regel auf eine inadäquate Behandlung und Betreuung zurückzuführen sind und mit entsprechender Kompetenz in Palliative Care, wenn sie denn flächendeckend vorhanden wäre, gelöst werden können“, betont Herbert Watzke.