Sorgsamer Umgang wichtig

Gesund / 14.06.2017 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die monatliche Selbstuntersuchung der Brust sollte zur Selbstverständlichkeit werden.  Foto: VN
Die monatliche Selbstuntersuchung der Brust sollte zur Selbstverständlichkeit werden. Foto: VN

Studie. Keine Entwarnung für die Verwendung von Deodorants mit Aluminiumsalzen.

Innsbruck. Neue Erkenntnisse, ob Aluminiumsalze in Deodorants ein Risikofaktor für die Entstehung von Brustkrebs sein könnten, liefert eine epidemiologische Studie, die an der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „EBioMedicine“ veröffentlicht worden und zeigen, dass eine sehr häufige, mehrmals tägliche Verwendung von Unterarm-Kosmetika im jungen Lebensalter die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken, erhöhen kann.

Gewebeproben entnommen

Viele Frauen sind besorgt, ob die Verwendung von Deodorants mit Aluminiumsalzen ihr Risiko, später an Brustkrebs zu erkranken, erhöhen könnte. „Wir wollten weitere Erkenntnisse dazu gewinnen und haben 209 Patientinnen mit Brustkrebs und eine gleich große Kontrollgruppe von Frauen in demselben Alter ohne Krebserkrankung befragt“, erklärt Hanno Ulmer, Direktor der Sektion für Medizinische Statistik und Informatik der MedUni Innsbruck. „In dieser Studie haben wir erstmals auch eine größere Serie von Gewebeproben aus der Brust auf ihre Aluminiumkonzentration hin untersucht“, führt Nicole Concin, Professorin für Experimentelle Frauenheilkunde an der Innsbrucker Univ. Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Co-Initiatorin dieser Studie, weiter aus. Bei 100 der befragten Brustkrebspatientinnen wurden im Rahmen einer Brustoperation Gewebeproben entnommen. Zusätzlich konnte in der Kontrollgruppe das Brustgewebe von 52 gesunden Studienteilnehmerinnen analysiert werden.

Höhere Konzentration

Die statistische Auswertung der Daten zeigt, dass vor allem Frauen, die angaben, in jungen Jahren sehr häufig, also mehrmals täglich, Deodorants verwendet zu haben, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufweisen. „Auch wenn von allen befragten Frauen nur sechs Prozent zu dieser Gruppe mit sehr häufiger Nutzung gehören, sind unsere Auswertungen statistisch signifikant“, betont Caroline Linhart, Erstautorin der Studie.

Ein weiteres Hauptergebnis ist, dass Frauen mit Brustkrebs eine signifikant höhere Aluminiumkonzentration im Brustgewebe aufweisen als nicht krebskranke Frauen der Kontrollgruppe. Dies gilt vor allem für Frauen mit Tumoren in Achselnähe. Ein definitiver Beweis, dass Aluminiumsalze krebsauslösend sind, liegt damit allerdings nicht vor. „Weitere Untersuchungen sind unbedingt erforderlich. Unserer Ergebnisse basieren auf reinen statistischen Korrelationsanalysen, und es wurde kein ursächlicher Zusammenhang untersucht“, sagt Nicole Concin. Darüber hinaus geben die Autoren der Studie zu bedenken, dass die Ergebnisse auf retrospektiven Befragungen beruhen, weshalb Erinnerungsfehler nicht ausgeschlossen sind.

Kein übermäßiger Gebrauch

„Wir können keine Entwarnung geben, was die Verwendung von Deodorants mit Aluminiumsalzen angeht“, fasst Hanno Ulmer, der wie Nicole Concin gebürtig aus Vorarlberg ist, die Ergebnisse der aktuellen Studie zusammen. Bis zur vollständigen Klärung der Bedeutung von Aluminiumsalzen als potenziell krebsauslösender Stoff empfehlen die Studienautoren deshalb unbedingt einen sorgsamen Umgang mit Unterarm-Kosmetika, die Aluminium enthalten. Insbesondere wird empfohlen, im jungen Lebensalter auf einen übermäßigen Gebrauch zu verzichten.

Zusammenarbeit

Ermöglicht wurde die Studie durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Medizinstandort Innsbruck. Die Sektion für Medizinische Statistik und Information, die Uniklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, die Sektion für klinische Biochemie und die Uniklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie waren maßgeblich an dieser Studie beteiligt. Als internationaler Experte konnte Christopher Exley von der Keele University in Großbritannien gewonnen werden.

Unsere Auswertungen sind auch statistisch signifikant.

Nicole Concin