Hans Concin

Kommentar

Hans Concin

60 Jahre Pille

Gesund / 23.06.2017 • 10:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Geschichte der Antibabypille beginnt mit einem Fehlstart. Nach ihrer Erfindung wurde sie 1957 von der amerikanischen Gesundheitsbehörde nur zur Behandlung von Blutungs- und Zyklusstörungen zugelassen. Natürlich war den Experten schon damals bekannt, dass damit erstmals in der Menschheitsgeschichte eine wirksame Empfängnisverhütung zur Verfügung stand. Die grundlegende Idee und bahnbrechenden wissenschaftlichen Arbeiten wurden bereits in den 1920er-Jahren von dem Innsbrucker Physiologieprofessor Ludwig Haberlandt erarbeitet und bis zur Produktreife entwickelt. Aber die Zeit war noch nicht reif für eine so revolutionäre Erfindung.

Erst die gesellschaftlichen Entwicklungen der 1968er-Jahre hat viele Hemmnisse in der Verschreibung und Anwendung der Pille über Bord geworfen. Für unverheiratete Frauen wurde die Pillenverschreibung in den USA erst 1972 durch Gerichtsentscheid ermöglicht.

 

Bis zum heutigen Tag gibt es teilweise heftige Diskussionen zu unerwünschten Nebenwirkungen. Grob lässt sich sagen, dass zusätzlich zur Empfängnisverhütung sich die günstigen und ungünstigen Nebenwirkungen der Pille in etwa die Waage halten. Die Lebenserwartung als Summe aller Gesundheitseinflüsse zeigt für ehemalige Pilleneinnehmerinnen und Nicht-Pilleneinnehmerinnen keinen Unterschied. Die Krebsbilanz ist für ehemalige Pilleneinnehmerinnen sogar günstiger. Ein Problem ist das erhöhte vererbte Thromboserisiko. Oft sind sehr junge Frauen nicht über Krankheiten ihrer Eltern und Großeltern informiert. Eine familiäre Thrombose- und Embolieneigung sollte bekannt sein und muss bei der Beratung über Empfängnisverhütung berücksichtigt werden.

 

Die empfängnisverhütende Sicherheit der Pille ist theoretisch sehr hoch mit einer Versagerrate von 5 auf 1000. In der praktischen Anwendung zeigen sich aber vor allem bei Teenagern viele Einnahmefehler mit einer deutlich erhöhten Schwangerschaftsrate. Der heutige Lebensstil steht gelegentlich einer regelmäßigen und pünktlichen Pilleneinnahme im Wege. Auch die Kosten der Pille sind für manche Teenager ein Problem. In den meisten europäischen Ländern werden für Teenager die Kosten der Empfängnisverhütung zur Gänze oder überwiegend, in Österreich gar nicht übernommen.

Immer mehr wird von jungen Frauen eine Empfängnisverhütung ohne Regel verlangt. Grundsätzlich sind die ca. 400 Monatsblutungen einer Frau unnatürlich. Entwicklungsgeschichtlich hatte die Frau bedingt durch Schwangerschaften und Stillen lebenslänglich nur an die 50 Menstruationen. Mit dem sogenannten Pillen-Langzyklus über drei Monate werden Regelblutungen mit kostbarem Eisenverlust um 2/3 reduziert.

Sechs Jahrzehnte Diskussion und Erfolgsgeschichte der Pille.

hans.concin@vn.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein