Der „kleine Schlaf“ als Übungsfeld

Gesund / 16.02.2018 • 08:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach getaner Arbeit durfte auch ein bisschen Spaß nicht fehlen.
Nach getaner Arbeit durfte auch ein bisschen Spaß nicht fehlen.

Endoskopie-Personal aus dem ganzen Land probte im LKH Bregenz realitätsnah den Ernstfall.

Bregenz Über der Türe des Untersuchungsraums baumelt an einem kräftigen Faden ein kleiner Vierkantschlüssel. Allzu lange hängt er noch nicht dort. Gina Limbean, Stationsleiterin der Endoskopie im Landeskrankenhaus Bregenz, hat die Idee von einem Weiterbildungskurs in Innsbruck mitgebracht. Was ist, wenn einem Patienten auf der Toilette, die von außen nicht zu öffnen ist, etwas passiert? Die Frage beantwortete der Notfalltrainer mit dem Hinweis, dass in solchen Fällen ein Vierkantschlüssel helfen könnte. Limbean nahm den Vorschlag mit und setzte ihn gleich um. „Auch kleine Dinge dienen der Patientensicherheit“, sagt sie. Doch allein dabei wollte sie es nicht belassen und machte sich für die Durchführung eines kompletten Sedierungs- und Notfallkurses stark. Mit überzeugenden Argumenten.

Teilnehmer aus allen Spitälern

Pflegedirektor Bernd Schelling erreichte bei der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) die Genehmigung der 11.500 Euro teuren Fortbildung. So wurde jetzt erstmals für alle Spitäler im Land ein Sedierungs- und Notfallkurs für endoskopisch tätiges Personal organisiert. Gina Limbean rief, und 24 Interessierte kamen. „Das zeigt schon den Bedarf an Weiterbildung in diesem Bereich“, merkt sie an. Es war ihr aber auch ein persönliches Anliegen, diesen Kurs ins LKH Bregenz zu bringen. Denn die Endoskopie habe sich stark weiterentwickelt.

Genaue Überwachung

Allein im Landeskrankenhaus Bregenz wurden im vergangenen Jahr 4051 endoskopische Eingriffe durchgeführt. Bei der Endoskopie können mit Hilfe entsprechender Instrumente verschiedene Organe und Organsysteme im Inneren des Körpers ausgeleuchtet und betrachtet sowie Gewebeproben entnommen und kleinere Eingriffe durchgeführt werden. Klassische Beispiele sind Magen- und Darmspiegelungen. Damit der Patient von der Prozedur nichts spürt, erhält er eine Schlaf- und Schlummerspritze, wie Gina Limbean die kleine Narkose fast liebevoll nennt. Sie sorgt dafür, dass der Patient ruhig wird, was auch bessere Untersuchungsbedingungen schafft. Gleichzeitig verlangt die Verabreichung von sedierenden Medikamenten eine genaue Überwachung des Patienten. Da es sich um einen operativen Eingriff handelt, bestehen auch Risiken. „Aber die lassen sich mit dem nötigen Wissen minimieren“, betont Gina Limbean.

Die Durchführung des Kurses übernahm die in Bayern ansässige Firma „reanitrain“. Sie gilt als Marktführer bei Sedierungskursen in Deutschland. Geschult wird ausschließlich Personal für Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser, Arztpraxen oder Reha-Kliniken. „In der Medizin lässt sich immer mehr ohne große Operationen machen“, begründet Geschäftsführer Stephan Nickl den Fokus auf Sedierungskurse. Denn selbst „ein bisschen Schlaf“ muss richtig dosiert und der Notfall richtig behandelt werden können. Zu den Schulungen rückt „reanitrain“ nicht nur mit Anästhesisten und Notfallsanitätern, sondern auch mit großem Gerät aus. Dazu zählen unter anderem ein künstlicher Patient in Normalgröße sowie Equipment, mit dem sich die Übung realitätsbezogen bewerkstelligen, beobachten und anschließend analysieren lässt.

Lob für die Mitwirkenden

Den Teilnehmern, die sich in Bregenz der anspruchsvollen Aufgabe stellten, zollten Stephan Nickl und sein Kollege, Andreas Heitkamp, vollstes Lob. „Sie waren sehr motiviert und haben sich sehr gut angestellt“, waren sich die beiden Mediziner in ihrer positiven Einschätzung einig. Jedenfalls durften sich nach der dreitätigen intensiven Fortbildung alle Mitwirkenden über ein Zertifikat freuen. „Solche Kurse sind wirklich Gold wert“, unterstreicht Gina Limbean den Nutzen. Bereichsleiterin Tanja Soti pflichtet ihrer Kollegin bei: „Es ist wichtig, alles zu tun, um das Risiko für Patienten möglichst niedrig zu halten.“ Die Genehmigung des Kurses wertet sie als Anerkennung für die Arbeit des Endoskopie-Personals. Der Pflegedirektor wiederum hofft, dass es trotz der nicht unbeträchtlichen Kosten künftig regelmäßig solche Schulungen gibt. VN-MM

Die Endoskopie-Schwestern waren mit großem Ernst bei der Sache. Im Notfall muss schließlich jeder Handgriff sitzen.
Die Endoskopie-Schwestern waren mit großem Ernst bei der Sache. Im Notfall muss schließlich jeder Handgriff sitzen.
Ganz genau verfolgten die Trainerinnen und Trainer die Handgriffe der Übenden über Bildschirm.reanitrain
Ganz genau verfolgten die Trainerinnen und Trainer die Handgriffe der Übenden über Bildschirm.reanitrain