Wieder Boden unter den Füßen spüren

Gesund / 23.02.2018 • 08:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
DGKP Jürgen Türtscher, Harald Wehninger, DGKP Julia Reinher und DGKP Anita Ritter (v. l.) nutzen die Möglichkeiten der Bewegungsförderung. Kh dornbirn
DGKP Jürgen Türtscher, Harald Wehninger, DGKP Julia Reinher und DGKP Anita Ritter (v. l.) nutzen die Möglichkeiten der Bewegungsförderung. Kh dornbirn

Bewegungsförderung mit neuen Möglichkeiten in der Pflege.

dornbirn Die Möglichkeit zur Bewegung ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheit. Wer in der Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, verliert die aktive Teilnahme am Leben. Die Gründe sind vielfältig: Erkrankung, Unfall, Schmerzen, Kraftlosigkeit und Alterungsprozesse. Mit zahlreichen Handgriffen und Techniken kann die Pflege unterstützend helfen. Die Bewegungsförderung zeigt neue Möglichkeiten, mit denen die betreuten Personen unter Anleitung ihre Fähigkeiten wiederentdecken und gezielt einsetzen können. Was ihre Selbstständigkeit  fördert, nützt auch dem Personal. Die Pflegekräfte müssen nicht mehr schwer heben oder tragen und schonen dadurch ihren eigenen Rücken.

Den Pflegebedürftigen von der Bettkante in den Rollstuhl bringen: „Ziehen und Heben verursachen Schmerzen in Muskeln und Gelenken der Pflegekraft und des Klienten und bringen beiden nichts“, erklärt Anita Ritter, Mobilisationsexpertin im Krankenhaus Dornbirn. Zudem hat der zu Betreuende wenig Chancen, sich selbst zu bewegen und mitzuhelfen. Deshalb setzt die Bewegungsförderung auf physiologische Bewegung. „Der Transfer vom Bett in den Rollstuhl benötigt so deutlich weniger Kraft.“ Entlastender Körperkontakt bedeutet hier: Die Füße des Betreuten übernehmen das Gewicht, bevor sein Gesäß von der Bettkante wegbewegt wird. Er steht einen Moment auf eigenen Beinen. „Den Boden unter den Füßen spüren, das war der größte Wunsch von Herrn Wehinger“, sagt Julia Reinher lächelnd. Die Schülerin der Pflegeschule Unterland erlebt gemeinsam mit Kollegen Jürgen Türtscher das Viva-Arte-Pflegekonzept (VAP) in Theorie und Praxis, angeleitet von VAP-Teacher Anita Ritter. Dabei erfolgen Mobilisierung und Transfer in drei Phasen: Warm-up, Funktionstraining und Cool-down. „Es ist fast wie Sport“, erklärt Harald Wehinger. Der sympathische Dornbirner war vor seiner Erkrankung begeisterter Sportler. Heute freut er sich, wenn man ihn auf die Beine stellt und er wieder Boden unter den Füßen hat. „Bislang war der Positionswechsel nur mit einer Art Lift möglich“, erklärt Anita Ritter, „jetzt kann er mitarbeiten.“ Eine Win-win-Situation für beide Seiten und für Herrn Wehinger eine Steigerung der Lebensqualität.