Weil das Leben nicht unendlich ist

04.05.2018 • 06:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Übertherapie kann Leid, Stress und Angst schüren.

Rankweil Wenn eine nahestehende Person krank wird, sind es oft die Angehörigen, die eine tragende Rolle in der Behandlung und als seelische Stütze im Heilungsprozess oder Krankheitsverlauf haben. Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft Viaticum sie bei der diesjährigen Ethikveranstaltung am Landeskrankenhaus Rankweil in den Mittelpunkt gestellt. Namhafte Ethikexperten beleuchteten das Thema „an-gehörig“ für die mehr als 200 Teilnehmer aus verschiedenen Perspektiven.

Unter anderen referierte die Medizinethikerin Univ.-Prof. Barbara Friesenecker von der MedUni Innsbruck über medizinethische Herausforderungen am Lebensende. „Wenn Patienten, die von uns Ärzten und Pflegepersonen aufwendig betreut waren, sterben, macht uns das Angst. Denn wir werden in unserer Ausbildung darauf trainiert, Leben zu retten und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln technisch oder medikamentös zu erhalten“, fasste sie die Konfrontation mit dem Tod eines Patienten zusammen. „Wenn aber der Zustand von Patienten sich trotz unserer maximalen therapeutischen Bemühungen verschlechtert und er oder sie verstirbt, denken wir an ärztliches Versagen statt anzuerkennen, dass das Leben endlich ist und die gute ärztliche Begleitung eines Sterbenden eine sehr erfüllende Aufgabe sein kann.“ Diese Haltung würde sowohl dem Sterbenden als auch den Angehörigen Stress und Angst nehmen und erspare viel Leid, so die Medizinethikerin. „Übertherapie ist das Resultat ungebremster, technischer Medizin ohne klare Indikationsstellung und führt zum Krankheitsbild der chronisch kritischen Erkrankung.“

Als „Wanderung durch Leben, Liebe und Tod“ bezeichnete Raoul Pinter von der Radioonkologie im LKH Feldkirch die Kommunikation mit Schwerstkranken, Sterbenden und deren An- und Zugehörigen. „Hier sind wir auf eine gute Wahrnehmung mit all unseren Sinnen angewiesen. Es braucht Respekt, Echtheit und Einfühlungsvermögen, um liebevoll, wirk- und heilsam miteinander zu reden“, beschrieb Pinter eindrücklich die Grundpfeiler eines guten Gesprächs mit Patienten und Angehörigen. Psychotherapeut Michael Wenz vom Alzheimer Therapiezentrum der Schön-Klinik Bad Aibling, dem führenden Rehabilitationszentrum für Demenzkranke in Deutschland, stellte ein Behandlungskonzept für Betroffene und deren Angehörige im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme vor. Demenzkranke und Betroffene werden gemeinsam aufgenommen, um die Familie auf das weitere Leben mit der Demenzerkrankung vorzubereiten.

„Letzte Wegzehrung“

Die Arbeitsgemeinschaft Viaticum, was so viel heißt wie „letzte Wegzehrung“, wurde gegründet, um bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landeskrankenhauses Rankweil mehr Bewusstsein für die Bedürfnisse schwerkranker und sterbender Patienten und deren Angehörigen zu schaffen.

„Es braucht von unserer Seite Respekt, Echtheit und Einfühlungsvermögen.“