Nachtschicht macht schmerzempfindlicher

11.05.2018 • 07:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auch Schlafentzug hat laut Studie Einfluss auf Schmerzempfinden.

Krems Gesunde Personen empfinden nach einer Nachtschicht die gleichen Kältereize um fast ein Drittel schmerzhafter als vor der Nachtschicht. Nach einer Erholungsnacht normalisiert sich das Schmerzempfinden wieder. Diese wechselseitige Beziehung von Schlaf und Schmerz kann bei der Chronifizierung von Schmerzen eine relevante Rolle spielen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems, die die Schmerzempfindlichkeit von Nachtschichtarbeitern mit Hilfe von Schmerzreizen getestet hat.

Schmerzen werden vom Körper als Warnsignal eingesetzt, um den Körper vor Verletzungen zu schützen. Wie stark Menschen den Schmerz empfinden, hängt allerdings von vielen Faktoren ab: Füge ich mir den Schmerz selbst zu oder wird er mir von einer anderen Person zugefügt. Verbinde ich das Schmerzgefühl mit einem angenehmen Gefühl, wie bei einer Massage oder mit einem unangenehmen Gefühl. Das Schmerzempfinden wird auch von psychischen Faktoren gesteuert, wie der Stimmung und dem Schmerzgedächtnis. Die Studie liefert Hinweise, dass auch Schlafentzug einen Einfluss auf unser Schmerzempfinden hat.

Ein Drittel stärker

Die Studie untersuchte das Schmerzempfinden vom Pflegepersonal der Universitätsklinik St. Pölten vor und nach der Nachtschicht. Nach der Nachtschicht waren die Personen deutlich schmerzempfindlicher, der gleiche Schmerzreiz wurde um fast 30 Prozent stärker eingestuft als im ausgeruhten Zustand. „Wovon die gesteigerte Schmerzempfindlichkeit abhängt, von der Müdigkeit, von der Stimmung oder von einer reduzierten Schmerzhemmung, ist noch unklar“, sagt Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems. Die Schmerzschwelle und das Schmerzempfinden wurden mit Hilfe von „Schmerzreizen“ getestet. Dafür wurde eine Thermode auf den Handrücken der Probanden befestigt. Das Experiment startete bei 32 Grad und die Temperatur sank jede Sekunde um 1 Grad. Wenn die Probanden den Schmerz als unangenehm empfanden, stoppten sie den Versuch. Im zweiten Experiment mussten die Probandinnen einen konstanten Kältereiz bewerten.

„Wovon die gesteigerte Schmerzempfindlichkeit abhängt ist noch unklar.“