Erfolgsprojekt „Gesunde Niere“

Gesund / 15.03.2019 • 10:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Eine Dialyse, oder Blutwäsche, ist für Nierenpatienten eine wichtige Option. khbg
Eine Dialyse, oder Blutwäsche, ist für Nierenpatienten eine wichtige Option. khbg

Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen hat sich bereits verdoppelt.

Feldkirch Bei der Nierengesundheit ist Vorarlberg auf Erfolgskurs. Das zeigt eine Bilanz des 2017 gestarteten Vorsorgeprojekts „Gesunde Niere Vorarlberg“ anlässlich des heurigen Weltnierentags (14. März). Insgesamt wurden 2018 über 7200 Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Damit hat sich die Zahl seit 2015 mehr als verdoppelt. „Das Projekt ist ein großer Erfolg für die Nierengesundheit“, konstatiert Primar Karl Lhotta von der Abteilung Innere Medizin III. Träger sind das Land, die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) sowie die von Lhotta geleitete Innere Medizin III.

Häufige Erkrankung

Chronische Nierenerkrankungen sind häufig. In den westlichen Industrienationen leben etwa zehn Prozent aller Erwachsenen mit einer chronischen Nierenschädigung. Die Hauptursachen sind Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und familiäre Veranlagung für Niereninsuffizienz. Prävention, Früherkennung und eine rasche Behandlung sind der Schlüssel zu einer Verbesserung der Situation. Mit dem Projekt „Gesunde Niere Vorarlberg“ wurde hierzulande ein wichtiger Schritt gesetzt. „Im vergangenen Jahr führte das Medizinische Zentrallabor 7240 Albuminuntersuchungen durch“, freut sich Primar Karl Lhotta über diese deutliche Bewusstseinssteigerung in der Bevölkerung. Es zeige sich, dass das Programm von Patienten und Ärzten gut angenommen werde.

Eine Verschlechterung der Nierenfunktion bleibt oft lange Zeit unbemerkt und ohne Symptome. Erste Anzeichen machen sich bei Patienten meist erst dann bemerkbar, wenn die Nieren ihre Funktion fast vollkommen eingestellt haben und der Krankheitsverlauf nicht mehr beeinflussbar ist.

Zur Untersuchung motivieren

Ziel des Projekts „Gesunde Niere Vorarlberg“ ist es, Personen zwischen 40 und 65 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Nierenerkrankung zu einer Untersuchung zu bewegen. Im Fokus stehen Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck, starkem Übergewicht oder Nierenversagen in der Familie. Durchgeführt werden eine Blutabnahme zur Bestimmung der Nierenfunktion sowie eine Harnuntersuchung zur Messung der Albuminausscheidung (Protein) als Hinweis auf eine beginnende Nierenschädigung. Beide Untersuchungen sind kostenlos. Bei betroffenen Patienten wird, falls notwendig, eine Optimierung der medikamentösen Therapie durchgeführt.

Lebensstil und Ernährung

Sie erhalten Informationen, wie durch Lebensstil und Ernährung die Nieren geschützt werden können. Gegebenenfalls erfolgt eine Überweisung zu einem Spezialisten. „Chronische Nierenerkrankungen sind nicht nur häufig, sondern auch gefährlich. Sie können bis zum vollständigen Verlust der Nierenfunktion führen mit Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzversagen oder Schlaganfall. Um diese katastrophalen Folgen zu verhindern, sind eine rechtzeitige Diagnose und Therapie unumgänglich“, betont Lhotta.

Neue Medikamente

Die Zahl neuer Dialysepatienten steigt zwar an. Erfreulich ist jedoch der Rückgang der Patienten, die wegen eines akuten Nierenversagens an der Inneren Medizin III dialysiert werden mussten. So verzeichnete Vorarlberg von 2015 bis 2018 mit 37, 43, 43 und 48 neuen Patienten jeweils nur einen geringen Zuwachs. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei jährlich 128. Eine Spenderniere erhielten im vergangenen Jahr 18 Vorarlberger. Seit 2012 wurden aus Vorarlberg 131 Patienten transplantiert. Was die Behandlungsmöglichkeiten bei Nierenschäden durch Diabetes betrifft, gibt sich Primar Lhotta optimistisch:

„Aktuell werden neue Medikamente, die sogenannten SGLT2-Hemmer in die Behandlung von Patienten mit Diabetes eingeführt. Die SGLT2-Hemmer führen zur Ausscheidung von Blutzucker über die Nieren. Sie senken nicht nur den Blutzucker, sondern auch den Blutdruck und das Körpergewicht. Sie können, haben einige große Studien ergeben, auch das Fortschreiten einer diabetischen Nierenerkrankung verhindern, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Patienten mit Diabetes auf ihre Nierenfunktion untersucht werden.“

Acht Regeln zum Erhalt der Nierengesundheit

Schützen Sie Ihre Nieren, retten Sie Ihr Herz.

» Bleiben Sie körperlich fit und aktiv.

» Achten Sie auf Ihr Körpergewicht, ernähren Sie sich gesund und vermeiden Sie Übergewicht.

» Hören Sie mit dem Rauchen auf.

» Nehmen Sie ausreichend (ungezuckerte) Flüssigkeit zu sich (1,5 bis 2 Liter täglich).

» Messen Sie Ihren Blutdruck. Dieser sollte unter 140/90 mmHg liegen.

» Falls Sie an Diabetes leiden, achten Sie auf eine gute Blutzuckereinstellung.

» Nehmen Sie nicht über einen längeren Zeitraum frei käufliche Schmerzmittel ein.

» Gehören Sie einer Risikogruppe an, sollten Sie regelmäßig Ihre Nierenwerte kontrollieren lassen.

Kontakt ARGE Niere in Vorarlberg: Erich Längle, E-Mail: Erich.laengle@vol.at sowie http://vlbg.argeniere.at