Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Hausverstand

Gesund / 15.03.2019 • 10:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was soll der halbwegs ernährungsbewusste Bürger da noch sagen bzw. denken: Den dringlichen Empfehlungen folgend lassen wir die knusprige Semmel bedauernd links liegen und kauen brav die teuren Vollkornbrötchen, schauen penibel dazu, dass auch Vollkorn im Mehl, in den Nudeln, im Reis und was weiß ich wo noch überall ist, dann knallt uns ein deutscher Heilpraktiker seine Wahrheit auf den Tisch: Nicht nur der verteufelte Zucker allein verursacht Krankheiten und Übergewicht, nein, Vollkorn ist der Wolf im Schafspelz, lässt er in seinem Buch ausrichten. Ja, Zucker mache krank, aber Vollkorn mache kränker, lautet die plakative Schlagzeile. Den „hieb- und stichfesten“ Fakten zufolge könnten wir statt zwei Scheiben Vollkornbrot gut und gerne auch 22 Würfelzucker oder 1,5 Tafeln Schokolade verdrücken, die Blutzuckerbelastung sei gleich hoch. Vollkornbrot sei auch nicht nährstoffreich. Sogar Vollmilchschokolade habe mehr Nährstoffe, zitiert er aus dem Bundeslebensmittelschlüssel. Für Schleckermäuler ist das geradezu eine Einladung zum Naschen.

Paracelsus sei Dank

Die Frage ist, wie sollen all jene, die auf ihre Ernährung und gute Lebensmittel schauen, mit solchen Aussagen umgehen? Ich weiß, warum ich Ratgeber nur bedingt schätze. Weil jeder seine eigene Philosophie verkaufen will, selbst, wenn es sich um das gleiche Thema handelt, und damit oft nur Verwirrung stiftet. So, wie in diesem Fall. Also, was nun? Zurück zu Weißmehl oder Wurzeln und Beeren? Am besten wird es vermutlich sein, den bewährten Hausverstand zu bemühen, auf seinen Körper zu hören und sich des guten alten Paracelsus zu erinnern, der weiland schon wusste, dass die Dosis das Gift macht. Nicht anders verhält es sich mit der Ernährung. Wer zuhauf Vollkornprodukte in sich hineinstopft, wird sich irgendwann genauso schlecht fühlen wie jemand, der ungehemmt schlemmt. Also: Hausverstand einschalten und ohne bösen Fingerzeig genießen.

„Wie sollen all jene, die auf ihre Ernährung und gute Lebensmittel schauen, mit solchen Aussagen umgehen?“

Marlies Mohr

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