Neue OP-Methode fürs Herz

Gesund / 05.04.2019 • 09:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Verschluss wird eingeführt (oben) und entfaltet sich dann wie ein kleines Schirmchen.khbg
Der Verschluss wird eingeführt (oben) und entfaltet sich dann wie ein kleines Schirmchen.khbg

Am LKH Feldkirch kann Loch in Herzscheidewand künstlich verschlossen werden.

Feldkirch „PFO“ steht für „Persistierendes Foramen ovale“. Dabei handelt es sich um ein Loch in der Herzscheidewand zwischen rechtem und linkem Vorhof. Ist dieses PFO beim Patienten alleinverantwortlich etwa für einen abgelaufenen Schlaganfall oder besteht deshalb ein relevant erhöhtes Schlaganfallrisiko, gibt es am LKH Feldkirch nun die Möglichkeit, diese Öffnung künstlich zu verschließen. „Der Eingriff kann jetzt im Herzkatheterlabor durchgeführt werden“, informiert Primar Matthias Frick, Leiter der Inneren Medizin I. In Vorarlberg profitieren jährlich rund 20 Patienten von dieser Behandlung.

Türartige Verbindung

Das Foramen ovale ist eine türartige Verbindung zwischen den Herzvorhöfen beim Ungeborenen im Mutterleib. Diese Öffnung stellt einen (gewünschten) Kurzschluss zwischen venösem (sauerstoffarmem) und arteriellem (sauerstoffreichem) Blutkreislauf dar: Diese „Abkürzung“ im Blutkreislauf gewährleistet, dass der Fetus sauerstoffreiches Blut von der Mutter erhält. Die Lunge ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend funktionsfähig. Das Foramen ovale verschließt sich normalerweise in den ersten Lebenswochen nach der Geburt vollständig. Geschieht dies nicht, spricht man von einem persistierenden – anhaltenden – Foramen ovale (PFO). Es gib rund 20 bis 30 Prozent an Betroffenen. Kinder und Erwachsene mit einem PFO sind meist körperlich nicht beeinträchtigt und meistern ihren Alltag uneingeschränkt. Zumeist bleibt das PFO zu Lebzeiten unerkannt.

Isolierter Auslöser für Schlaganfall

In manchen Fällen steht das persistierende Foramen ovale im Verdacht, Auslöser für einen Schlaganfall zu sein. Eine im Bereich der Beinvenen aufgetretene Thrombose wird in Richtung Herz verschleppt, gelangt durch das kleine Loch vom rechten in den linken Vorhof, wird von dort in die Gehirngefäße gespült und verursacht einen Schlaganfall. „Meist betrifft das relativ junge Menschen. Liegt bei diesen Schlaganfällen keine andere Ursache als das gefundene PFO vor, zeigt die neue Studienlage, dass ein Verschließen der Öffnung ein effektiver Ansatz ist, um erneuten Schlaganfällen vorzubeugen“, erklärt Primar Philipp Werner, Leiter der Akutneurologie. Der Nutzen einer solchen interventionellen Therapie konnte in bestimmten Fällen zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Wird bei einem Schlaganfallpatienten im Rahmen der Abklärung auf der Stroke Unit ein PFO festgestellt und liegen sonst keine Risikofaktoren für diesen Schlaganfall vor, berät man im Rahmen des PFO-Bords, ob der Verschluss eine geeignete Therapieoption ist. Das PFO-Bord ist ein Zusammenschluss von Experten aus den Fachbereichen Kardiologie und Neurologie, die den Nutzen dieses Eingriffs für jeden Patienten einzeln analysieren.

Drei Millimeter dick

Im Anschluss an die interdisziplinäre Besprechung wird den Patienten das Ergebnis mitgeteilt und gegebenenfalls die erforderliche Katheterbehandlung eingeleitet. „Ein Implantat, der Amplatzer Septal Occluder, wird durch einen ca. drei Millimeter dicken Katheter über die Leistenvene in das venöse Gefäßsystem eingeführt und über dieses bis zum Herz vorgeschoben. Im Vorhof spannt sich das Schirmchen-Implantat auf. E

Es verschließt das PFO ähnlich einem Deckel, verwächst mit dem Gewebe der Herzscheidewand und stellt dadurch einen Verschluss her“, schildern Oberarzt Christoph Hörmann und Oberarzt Markus Riedl, die den Eingriff durchführen, die Vorgehensweise. Durch den PFO-Verschluss konnte bei ausgewählten Patienten das Risiko für das Auftreten weiterer Schlaganfälle im Vergleich zur alleinigen medikamentösen Prophylaxe um bis zu 58 Prozent reduziert werden.