Operation am Gehirn und dabei wach

Gesund / 12.04.2019 • 09:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
OA  Markus Hoffermann (l.) und Primar Richard Bauer bei der Planung des Eingriffs.
OA Markus Hoffermann (l.) und Primar Richard Bauer bei der Planung des Eingriffs.

Medizinische Expertise ist nun auch im LKH Feldkirch vorhanden.

Feldkirch Auch das gibt es in der Medizin, dass Patienten während eines Eingriffs wach sein müssen, um Funktionen überprüfen zu können. Diese Maßnahme wird hauptsächlich bei Entfernung eines Hirntumors erforderlich. Seit Kurzem wird diese hochsensible Operation auch an der Abteilung für Neurochirurgie im Landeskrankenhaus Feldkirch durchgeführt. Die Mediziner rechnen mit etwa vier bis sechs solchen Eingriffen pro Jahr. „Bei einem Hirntumor kann die komplette Entfernung des Tumors entscheidend zur Lebensverlängerung beitragen. Allerdings ist dies nur möglich, wenn der Eingriff keine neurologischen und lebenseinschränkenden Funktionsausfälle beim Patienten nach sich zieht“, betont Primar Richard Bauer. Bislang gab es zwei Eingriffe dieser Art im LKH Feldkirch.

Deshalb sind vor einer Operation weitere Untersuchungen erforderlich, etwa zur Beschaffenheit des Tumors. „Erst dann können wir die Entscheidung für einen solchen Eingriff gemeinsam mit dem Patienten überhaupt fällen“, betont Bauer. „Überprüft wird etwa, ob das Gewächs ein hirneigener Tumor ist und ob es Zeichen eines aggressiven Wachstums, beispielsweise in Form einer erhöhten Zellteilungsrate gibt“, erklärt OA Markus Hoffermann. Er ist der neurochirurgische Experte, der diese Operationen am LKH Feldkirch durchführt. Die Expertise dafür hat sich Hoffermann durch Trainings und Fortbildungen an der Universitätsklinik Graz und als Gastarzt am Medical Center der University of California in San Francisco angeeignet.

Genaue Lokalisation

Weitere Untersuchungen betreffen die Lokalisierung des Tumors. „Wir müssen herausfinden, welche Funktionsbereiche betroffen sein könnten. Das lässt sich mittels einer funktionellen Magnetresonanztomographie eingrenzen“, führt Hoffermann aus. Der Neurochirurg muss während der Operation genau Bescheid wissen, wo er krankes Gewebe entfernen darf und wo nicht. Ziel der Operation ist es, so viel Tumorgewebe wie möglich zu erwischen. Manche Hirnfunktionen, wie die Bewegung, lassen sich während der Narkose durch Stimulation auch ohne Aufwecken des Patienten feststellen. Andere wie Sprache oder Gedächtnis allerdings können nur überprüft werden, indem ein Neuropsychologe Tests während der Operation durchführt. Dafür muss der Patient während des Eingriffs wach sein.

Die Operation muss bis ins letzte Detail geplant und vorbereitet sein. KHBG
Die Operation muss bis ins letzte Detail geplant und vorbereitet sein. KHBG

Bei der Operation selbst verspürt er keinen Schmerz:  Mögliche Wundschmerzen werden durch lokale Betäubung und Medikamente seitens der Anästhesie ausgeschaltet, wenn der Neuropsychologe die Funktionen gemeinsam mit dem Patienten prüft. Hier arbeitet die Neurochirurgie eng mit der Sozialmedizinischen Organisation (SMO) zusammen. SMO-Neuropsychologin Miriam Schrom erläutert: „Ist der Patient wach, beginnt unsere Arbeit. Wir führen mit ihm Tests, meist an Hand von Bildern oder Texten durch, um verschiedene Funktionen wie Sprache, Gedächtnis, Erkennen der Umwelt usw. genau zu überprüfen. Der Patient muss beispielsweise eine Zahlenreihe vervollständigen, Bilder benennen oder Sätze bilden.“ Während dieser Tests versucht der Neurochirurg durch gezielte elektrische Stimulation, diese Funktionen zu „stören“, um damit die dafür notwendigen Gehirnbereiche zu identifizieren und schonen zu können.

Gute Planung wichtig

Um eine solche Operation durchführen zu können, ist viel Planung und Vorarbeit notwendig. „Das Ziel ist die möglichst radikale Entfernung des Tumors bei Erhaltung aller neurologischen Funktionen, um das Leben des Patienten bei optimaler Lebensqualität zu verlängern. Dafür müssen alle reibungslos zusammenarbeiten, und zwar inklusive des betroffenen Patienten selbst“, fasst Primar Bauer die Herausforderung eines solchen Eingriffs zusammen.