Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Laute Jugend

17.05.2019 • 07:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Da soll noch einer sagen, die Jugend von heute hätte nur Flausen und Spielkonsolen im Kopf. Immer öfter ist das Gegenteil der Fall. Kinder und Jugendliche machen sich für ihre und die Anliegen anderer stark, gehen auf die Straße, lancieren Petitionen, stehen auf für das, was ihnen wichtig erscheint. Schade nur, dass es die wenigsten Aktionen in die Öffentlichkeit schaffen. Greta Thunberg, die junge schwedische Klimaschutzaktivistin, brachte Tausende Altersgenossen auf die Beine. In Deutschland demonstrierten Kinder auf Initiative eines Achtjährigen für mehr handyfreie Zeiten, wobei in erster Linie die Eltern gemeint waren. Und jetzt bestätigt eine Gruppe von Abiturienten in München, dass die Stimme der Jugend sehr wohl Gewicht haben kann, wenn sie nur laut genug ist.

Die Schüler haben immerhin erreicht, dass psychischen Erkrankungen in den Schulen künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie hatten nicht nur einen Film zum Thema jugendliche Depression gedreht, sondern auch eine Online-Petition gestartet, die inzwischen mehr als 42.000 Menschen unterschrieben haben. Jüngst überwies der Bildungsausschuss des bayerischen Landtags diese an sich rechtlich nicht bindende Petition an die Staatsregierung. Ein ziemlich seltener Schritt, wie selbst Experten erstaunt einräumen, und das will etwas heißen. Die verantwortlichen Politiker indes sollen noch vor der Sommerpause berichten, was sie konkret planen, um dem Thema in den Schulen mehr Raum zu bieten. Man darf gespannt sein.

Kleine Episode

Es mag sich um eine kleine Episode im großen Weltgetriebe handeln, aber bekanntermaßen gedeiht im Kleinen immer noch am besten, was einmal groß werden will. Deshalb liegt es auch an uns Erwachsenen, den Ideen und Vorschlägen der Jungen beständig ein Ohr zu schenken. Am besten mehr, nämlich Aufmerksamkeit und den Willen, umzusetzen, was möglich ist. Sie werden es uns gewiss mit Einsatz und Engagement danken.

„Bekanntermaßen gedeiht im Kleinen immer noch am besten, was einmal richtig groß werden will.“

Marlies Mohr

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