Eine Prothese ersetzt die Rippen

Gesund / 07.06.2019 • 11:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der zufriedene Patient mit seinen Ärzten und Angehörigen. 
Der zufriedene Patient mit seinen Ärzten und Angehörigen. 

Neue OP-Möglichkeit am LKH Feldkirch erfolgreich angewandt.

Feldkirch Am LKH Feldkirch konnte einem Patienten mittels neuer Operationsmethode und eigens angefertigter Rippenbogenprothese zu einer besseren Lebensqualität verholfen werden. Der 51-jährige Mann litt an einem großen bindegewebeartigen Tumor am Brustkorb, der auch bereits die Rippen befallen hatte. „Die während der OP entfernten Rippen wurden durch eine individuell in Italien angepasste Prothese erfolgreich ersetzt, sodass der Patient jetzt ohne Einschränkungen leben kann“, berichtet Paolo Girotti, leitender Oberarzt der chirurgischen Abteilung. Zufrieden mit dem Ergebnis ist auch der Patient. „Ich habe dem Team von Anfang an vertraut“, bekräftigt A. Najar.

Faustgroße Wucherung

Die Thoraxchirurgie ist ein chirurgisches Spezialgebiet, das sich mit Erkrankungen und Verletzungen der Brustwand und aller Organe im Inneren des Brustraumes (mit Ausnahme von Herz und Hauptschlagader) befasst. Im LKH Feldkirch können nunmehr auch Patienten mit komplexen Tumoren an der Thoraxwand versorgt werden, wie eben A. Najar. Dessen Sarkom, das an der linken äußeren Brustwand wucherte, war an manchen Stellen bereits durch die Rippen hindurch gewachsen und stand faustgroß hervor. Sein jahrelanges Leiden konnte jüngst in einer zweistündigen Operation beendet werden. Zuerst wurden die tennisballgroße, bösartige Geschwulst und die befallenen Rippen entfernt, anschließend die zuvor individuell angefertigten Rippenbögen in den Brustraum eingesetzt. „Für den Patienten ist dadurch der Ausgangszustand, wie er vor der Erkrankung bestand, wiederhergestellt, er ist von seinem Tumorleiden geheilt. Die Prothese selbst vereint sich mit den Knochen. Man kann es sich wie das Zusammenwachsen nach einem Knochenbruch vorstellen“, erklärt OA Girotti. „Für diesen Eingriff und die Wiederherstellung muss der Patient allerdings eine gute Grundkondition mitbringen“, ergänzt Girotti.

Maßgeschneidert

Die Prothese wurde in Modena in Italien auf Basis eines CT-Bildes vom Brustkorb des Patienten quasi maßgeschneidert für diesen angefertigt. Sie besteht aus Kunststoff und gilt als optimaler Brustwand -ersatz. Früher hinterließen die entfernten Rippenbögen nach der Brustwand-Resektion ein Loch, das lediglich durch ein unförmig gespanntes Netz oder eine Titanplatte substituiert werden konnte. „Therapien dieser Art waren bisher in Vorarlberg nicht ausreichend möglich“, bestätigt Primar Ingmar Königsrainer, Leiter der chirurgischen Abteilungen in Feldkirch und Bludenz.

Dank des Netzwerks rund um OA Paolo Girotti, der das Team am Landeskrankenhaus Feldkirch seit April 2018 verstärkt, ist ein weiterer Schritt in Richtung einer umfassenderen Patientenversorgung gelungen. „Ich freue mich, dass es mit dieser Operation gelungen ist, mein Spektrum aus Mailand hier in Vorarlberg zu implementieren“, sagt Girotti. „Mit dieser zusätzlichen Expertise gibt es nunmehr auch im thoraxchirurgischen Bereich viele neue Möglichkeiten der Behandlung. Das erspart zahlreichen Vorarlberger Patienten weite Wege in Zentren außerhalb des Landes“, ergänzt Königsrainer.

Das OP-Team hat in jeder Hinsicht gute Arbeit geleistet. khbg
Das OP-Team hat in jeder Hinsicht gute Arbeit geleistet. khbg