Vitamine für die Psyche

07.06.2019 • 09:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kongress zu Positiver Psychologie erstmals in Vorarlberg.

Satteins Positive Psychologie? „Die steckt in jedem von uns, sie muss nur geweckt werden“, sagt Bertram Strolz. Seit fünf Jahren schon befasst sich der Psychotherapeut mit diesem relativ neuen Forschungsgebiet und ist begeistert davon. „Lange ging es nur um die Verbesserung von Notsituationen, aber niemand fragte, warum es den Leuten gutgeht“, erklärt Strolz. In den 1990er-Jahren hat der US-amerikanische Psychologe Martin Seligman damit begonnen, systematisch zu untersuchen, was Wohlbefinden bedeutet, wie es sich steigern lässt und gehalten werden kann. Mittlerweile ist die Positive Psychologie zu einem eigenständigen Forschungszweig geworden. Vom 1. bis 4. Juli 2019 organisiert Strolz in Götzis und Bregenz einen Kongress, an dem unter anderem auch Seligman teilnimmt.

Wirksame Interventionen

Im Gegensatz zur traditionellen defizitorientierten Psychologie befasst sich die Positive Psychologie der Begrifflichkeit gemäß mit den positiven Aspekten des Menschseins. Glück, Optimismus, Geborgenheit, Vertrauen, individuelle Stärken, aber auch Verzeihen und Solidarität sind Schlagworte, die diese Strömung betont. „Es geht also um ganz schlichte Dinge“, führt Bertram Strolz aus. Dazu gehört etwa Bewegung. Strolz, der eine eigene Akademie gegründet hat, in der er alltagsbezogene Ausbildungen anbietet, verordnet seinen Kunden immer Bewegung. „Die bringt das Gehirn in Schwung“, merkt er an. Im Herbst startet bereits der fünfte Kurs. Wieder ist er ausgebucht. Pädagogen, Führungskräfte, Personalleiter, Ärzte: Die Liste der Berufe, die sich der Positiven Psychologie zuwenden, ist lang, und das nicht grundlos. Positive Interventionen wirken. Dafür gibt es laut Bertram Strolz wissenschaftliche Belege.

Nach guten Dingen suchen

Dabei geht es um ganz schlichte Übungen, die, regelmäßig durchgeführt, die Psyche gegen alle Schwierigkeiten wappnen. Strolz erzählt von Seligman, der seinen Klienten aufträgt, abends drei Dinge aufzuschreiben, die gut waren und warum. „Dadurch wiederholt sich das gute Gefühl, und mit der Zeit beginnt das Gehirn, sich untertags gute Dinge zu suchen. Auf diese Weise verändert sich der Fokus“, beschreibt Bertram Strolz den Mechanismus. Mittels solcher Übungen können sogar leichte Depressionen geheilt werden. Seligman wurde für diese These noch ausgelacht, inzwischen ist sie nachgewiesen. Psychische Vitamine nennt Strolz die Begriffe, mit denen die Positive Psychologie arbeitet. Insgesamt gilt: Mit den Anregungen aus der Positiven Psychologie können Menschen ihre Stärken nutzen, um glücklich und erfolgreich zu sein, in guten Beziehungen zu leben und Sinn im Leben zu finden. „Es geht darum, sich dieses Grundgefühl anzueignen.“ Zuckerbrot und Peitsche würden uns zwar antreiben, aber nicht zu unserem Besten führen. VN-MM

„Zuckerbrot und Peitsche treiben uns zwar an, führen uns aber nicht zum Besten.“

Infos zum Kongress: www.akjf.at, www.akademie-pp.at, www.seligmaneurope.com; Infohotline: 0664/5210614