Auch Milchprodukte sind Zuckerfallen

14.06.2019 • 09:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Milch in ihrer reinsten Form ist und bleibt ein wertvolles Lebensmittel.ludwig berchtold
Milch in ihrer reinsten Form ist und bleibt ein wertvolles Lebensmittel.ludwig berchtold

Vorsorgemedizinisches Institut Sipcan untersuchte 1200 Produkte zum Löffeln und Trinken.

Salzburg, Wien Milch und Milchprodukte sind wertvolle Lebensmittel, wichtige Nährstoffquellen für Eiweiß, Kalzium und Vitamine und ein fixer Bestandteil der Ess- und Genusskultur. Gleichzeitig stellen die Kühlregale der Supermärkte echte Zuckerfallen dar. Der Blick auf die Nährwertkennzeichnung zahlt sich deshalb in jedem Fall aus. In einem 250-Gramm Becher Vanillejoghurt verstecken sich schon mal 45 Gramm Zucker, in 500 ml Fruchtmolke können sogar 50 Gramm Zucker enthalten sein.

Milchliste gibt Aufschluss

Das vorsorgemedizinische Institut Sipcan untersucht im Rahmen einer Langzeitstudie unter der Leitung von Primar Friedrich Hoppichler seit 2012 den Zuckergehalt in Milchprodukten zum Löffeln und Trinken. Von Pudding über Molkeprodukte bis hin zu Fruchtjoghurts konnten heuer über 1200 Produkte in die Studie eingeschlossen werden. Die Ergebnisse werden in Form der Sipcan-Milchliste veröffentlicht, in der alle Produkte nach ihrem Zuckergehalt gereiht sind. Auf diese Weise ist es leicht, Joghurt & Co miteinander zu vergleichen.

Sipcan setzt sich bereits seit acht Jahren intensiv dafür ein, dass der Zuckergehalt in Milchprodukten sinkt. Die aktuellen Ergebnisse zeigen den Erfolg dieser Arbeit. Seit 2012 ist der durchschnittliche Zuckergehalt um 12,2 Prozent gesunken und liegt heute bei 12,37 Gramm. Während 2012 nur 16 Prozent aller untersuchten Milchprodukte die Vorgaben erfüllten, trifft dies heute bereits auf 39,9 Prozent aller Produkte zu. „Dies heißt im Umkehrschluss aber auch, dass immer noch sechs von zehn Produkten die Zielvorgaben nicht erfüllen. Vor allem bei Milchprodukten zum Löffeln, wie Joghurts, liegt der durchschnittliche Gesamtzuckergehalt noch bei beachtlichen 12,84 Gramm pro 100 ml/g“, mahnt Hoppichler.

Anteil stark gesunken

Erfreulich ist, dass der Anteil an süßstoffhaltigen Produkten im Milchregal von 15,2 Prozent auf heute 6,3 Prozent gesunken ist. Diese Zahl soll aber nicht verdecken, dass immer noch jedes sechste Milchprodukt zum Trinken, wie etwa Molke oder Trinkjoghurt, mit Süßstoffen versetzt ist. „Konsumenten brauchen Orientierung, um zu wissen, welches Getränk für sie gesund beziehungsweise zumindest vertretbar verträglich ist. Mit Süßstoffen gesüßte Milchprodukte mogeln als kalorienreduziert und ‚light‘ markiert gesunden Konsum vor, die Gesamtsüße bleibt durch die Süßstoffe aber hoch. Jeder Konsument sollte die ehrliche Chance haben, sich schrittweise an weniger Süße gewöhnen zu können“, mahnt auch die Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, Univ.-Prof. Alexandra Kautzky-Willer, „schließlich sind auch Süßstoffe nicht ganz unbedenklich.“

Laut den Empfehlungen von Experten sollten pro Tag drei Portionen Milch oder Milchprodukte im Umfang von etwa 500 Gramm konsumiert werden. Eine Portion bedeutet beispielsweise ein Glas Milch oder ein Becher Joghurt mit je 200 ml. Mit einem durchschnittlichen Verzehr von gerade einmal 268 Gramm bei Frauen und 310 Gramm bei Männern wird diese Vorgabe laut aktuellem Ernährungsbericht klar verfehlt.