Wenn das Herz aus dem Takt gerät

28.06.2019 • 07:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neue Behandlungsmethode am LKH Feldkirch für Patienten mit Vorhofflimmern.

Feldkirch Die Abteilung für Innere Medizin (Kardiologie) im LKH Feldkirch bietet seit Kurzem eine neue Behandlung für Patienten mit Vorhofflimmern an. Mittels Ablation (Verödung) werden Herzmuskelzellen mit abnormem elektrischem Verhalten ausgeschaltet. Dadurch könne bei sehr symptomatischen Patienten eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Möglich wurde dieses Angebot durch die Erweiterung der Herzkatheterlabore. Primar Matthias Frick, Leiter Innere Medizin I, rechnet mit bis zu 80 Behandlungen pro Jahr.

Vorhofflimmern ist laut Experten die häufigste Herzrhythmusstörung weltweit und nimmt mit dem Alter und der Anzahl von Risikofaktoren deutlich zu. „Bei diesen Personen ist das Schlaganfallrisiko deutlich erhöht, deshalb ist eine Blutverdünnung entscheidend. Wenn der Puls hoch bleibt, kann als Folge des Vorhofflimmerns auch eine Herzschwäche entstehen. Zudem fehlen den Patienten circa 20 bis 25 Prozent der Leistung. Dies spüren vor allem jüngere Patienten“, führt Frick aus. „Betroffene Personen merken dies in erster Linie durch den unregelmäßigen Puls, eventuell verspüren sie auch ein unangenehmes Herzklopfen oder Herzrasen, manche Patienten merken zudem eine Leistungseinschränkung. Es gibt aber auch einen Teil von zumeist älteren Patienten, die gar keine Symptome haben.“ Bisher wurden die Patienten in erster Linie medikamentös behandelt. OA Thomas Kaiser, einer der beiden Ärzte, die den Eingriff durchführen, erklärt: „Leider haben einige dieser Medikamente relevante Nebenwirkungen, andere wiederum reichen ‚nur‘ zur Frequenzkontrolle aus, können aber keinen Sinusrhythmus mehr herstellen.“ Mit der linksatrialen Ablation könne ihnen besser geholfen werden. Insbesondere jüngere Patienten mit immer wieder wechselndem Rhythmus profitierten von einer Verödung im Bereich des linken Vorhofes. „Beim Vorhofflimmern gibt nicht mehr der Sinusknoten den Takt an, sondern elektrisch aktive Zellen aus dem Einmündungsbereich der Lungenvenen in den linken Vorhof. Sie übernehmen sozusagen das elektrische Kommando“, erklärt Herzexperte OA Wolfgang Gappmaier, der den Eingriff ebenfalls durchführt. „Die Folge ist, dass der Puls unregelmäßig und auch bei vielen Patienten hoch ist.“

Durch das Vorhofflimmern sei keine regelhafte Kontraktion der Vorkammer mehr möglich. Damit bestehe die Gefahr der Bildung von Blutpfröpfchen. Bei der linksatrialen Ablation bringt der Arzt einen Katheter über die Venen in der Leiste des Patienten bis in die rechte Vorkammer ein. Danach punktiert der Kardiologe mit einer speziellen Nadel die Scheidewand zwischen rechter und linker Vorkammer. Hierauf werden Herzmuskelzellen am Übergang zwischen linkem Vorhof und Lungenvene entweder mittels Radiofrequenz oder mittels eines Kälte-Ballons verödet.

Die Intervention dauert laut LKH zwischen zwei und vier Stunden, der Patient muss nach dem Eingriff drei bis vier Tage im Krankenhaus bleiben. Danach sollte sich der Patient eine Woche schonen und ein blutverdünnendes Medikament für mindestens acht Wochen einnehmen.

Bei der linksatrialen Ablation bringt der Arzt einen Katheter über die Venen in der Leiste des Patienten bis in die rechte Vorkammer ein. KHBG
Bei der linksatrialen Ablation bringt der Arzt einen Katheter über die Venen in der Leiste des Patienten bis in die rechte Vorkammer ein. KHBG