Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Grillgut

05.07.2019 • 08:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die ersten Regentropfen nach Tagen der Hitze zerplatzten auf meiner spärlich bekleideten Schulter wie Seifenblasen. Ich hatte mich auf die Terrasse gesetzt, die dunkle Wolke, die sich am Himmel türmte, betrachtet und auf mehr gewartet. Während ich dasaß und mitansehen musste, wie sich die Hoffnung auf ein bisschen Abkühlung buchstäblich in Luft auflöste, kamen mir die Worte meiner Tochter in den Sinn, die am Tag zuvor noch meinte: „Es wäre schön, wieder einmal durch den strömenden Regen laufen zu können.“ Das zählte auch zu unseren Lieblingsbeschäftigungen, früher, als kräftige Güsse in beschaulicher Regelmäßigkeit den Tag erfrischten und die Sonne danach wieder strahlte, als ob nichts gewesen wäre.

So ändern sich also die Zeiten. „Erstaunlich, dass man sich plötzlich über ein paar Wolken freuen kann“, wunderte sich unlängst auch eine Frau, als eines Morgens zur Abwechslung ein paar grauweiße Gebilde zumindest kurz die Tropenhitze dämpften. Klimawandel? Mittlerweile gibt es so viel Pro und Kontra, dass es Laien fast schwindelt. Außerdem: Die nächste Abkühlung kommt bestimmt. Noch, aber wer weiß, wie lange. Muss uns wirklich erst die Sonne auf den Kopf fallen und die Menschheit zu Grillgut werden, ehe Vernunft einkehrt? Klimaschutz ist schließlich mehr, nämlich auch Natur-, Umwelt- und letztlich Gesundheitsschutz.

Marlies Mohr

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