Präzisionsmedizin als großes Ziel

Gesund / 05.07.2019 • 10:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine gesunde Ernährung spielt in vielen Lebensbereichen eine wichtige Rolle.vn/paulitsch
Eine gesunde Ernährung spielt in vielen Lebensbereichen eine wichtige Rolle.vn/paulitsch

Vorarlberg mit neuen Forschungen zu Diabetes beim größten Kongress dabei.

Feldkirch Kürzlich fand in San Francisco die Jahrestagung der Amerikanischen Diabetesgesellschaft statt. Dabei handelt es sich um den weltweit größten Diabeteskongress. Dort wurden von verschiedenen Forschungsgruppen einmal mehr Neuigkeiten präsentiert, die große Auswirkungen auf die Behandlung und Vorbeugung von Diabetes haben. Prof. Christoph Säly vom VIVIT Institut präsentierte neueste Forschungsergebnisse aus Vorarlberg.

Kein gutes Zeichen

Bei Diabetes ist etwa eine Verfettung der Leber sehr häufig, selbst, wenn die Patienten keinen Alkohol trinken. Fettleberpatienten haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf­ereignisse. Eine Arbeit des VIVIT Instituts belegt, dass bei Patienten mit Fettleber die Größe der LDL Partikel ein sehr starker Risikofaktor für Herz-Kreislaufereignisse ist. Die kleineren cholesterinhaltigen Blutpartikel sind laut Säly besonders gefährlich. Auch bei niedrigem Cholesterin ist deshalb bei diesen Patienten das Risiko für Herz-Kreislaufereignisse erhöht. Ein ebenso bedeutender Faktor für die Entstehung von Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen ist an sich das Übergewicht. „Wenn Menschen aber bereits krank sind, ist eine Gewichtsabnahme nicht unbedingt ein gutes Zeichen“, zitiert Christoph Säly aus einer weiteren VIVIT-Arbeit, in der bei Herzpatienten eine Gewichtsabnahme unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes eine höhere Sterblichkeit anzeigte.

VIVIT-Geschäftsführer Prof. Heinz Drexel betont: „Der erhebliche Neuwert unserer Forschung kommt direkt den Vorarlberger Patienten zugute. Österreichweit und international wird diese Forschung in hohem Maße anerkannt. Die Nachhaltigkeit über mehr als 20 Jahre Diabetesforschung ist besonders beachtlich und wird auch in den nächsten Jahren ein gutes Licht auf die Vorarlberger Medizin werfen.“

Neue Medikamente

Im Fokus des Kongresses standen die Komplikationen, die Diabetes verursacht und das Verhindern solcher. Diabetes ist bekanntermaßen ein Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, und Herzinfarkte sind die häufigste Todesursache bei Diabetes. In den vergangenen Jahren konnte in großen Studien gezeigt werden, dass sich durch neue Diabetesmedikamente gefährliche Herz-Kreislauf­ereignisse verhindern lassen. Zu diesen Medikamenten gehört Dulaglutid, das neben der Zuckerreduktion auch eine Gewichtsreduktion bewirkt. Laut einer beim Kongress präsentierten Untersuchung kann die wöchentliche Gabe das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen deutlich reduzieren, ebenso das Auftreten von Nierenschäden. Das ist insofern ein wichtiger Befund, da Diabetes eine Hauptursache für schwere Nierenschäden ist.

Ein anderes Medikament, das die Ausscheidung von Zucker im Harn steigert, konnte die Nieren noch stärker schützen, wie eine andere am Diabetes-Kongress vorgestellte Studie zeigte. Auch dieses Medikament kann das Auftreten von Herz-Kreislaufereignissen verhindern. Ein weiteres Ziel ist es, für jeden Patienten das optimale Medikament zu wählen. Der Präsident der amerikanischen Diabetesgesellschaft betonte die zentrale Bedeutung der Präzisionmedizin in der modernen Diabetesbehandlung.

Forschungsverein

Das VIVIT ist ein Forschungsverein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Herz-Kreislauferkrankungen zu untersuchen. Jeder kann gegen eine Jahresgebühr von 25 Euro Mitglied des Vereins werden; dazu genügt eine E-Mail an vivit@lkhf.at oder ein Anruf unter Tel. 05522/303-2670.