Marlies Mohr

Kommentar

Marlies Mohr

Unbezahlbar

12.07.2019 • 08:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zwei ältere Herren im Wartezimmer einer Arztpraxis: Man kennt sich und unterhält sich über dies und das. Irgendwann kommt die Sprache auf die Weltgymnaestrada. „Was das wieder kostet“, seufzt der eine. „Ja“, pflichtet ihm der andere bei, merkt aber noch an: „Besser das, als das Geld den Politikern zuschieben.“ Der letzte Satz entspricht nicht ganz dem originalen Wortlaut. Die Männer drückten sich etwas derber aus. An der Politik, vor allem ihren Protagonisten, lässt sich bekanntermaßen gut das persönliche Mütchen kühlen. Auf jeden Fall herrschte, zumindest was die Verteilung des Geldes betrifft, Einigkeit.

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass wir bei Großveranstaltungen dieser Art zuerst eine Rechnung aufmachen. Was ließe sich mit dieser Summe alles bewerkstelligen? Wie vielen Menschen könnte damit geholfen, wie viel leistbarer Wohnraum geschaffen werden? Ja, es wäre einiges möglich, aber was uns die Teilnehmer der Weltgymnaestrada tatsächlich ins Land gebracht haben, ist unbezahlbar. Lebensfreude, Weltoffenheit, Toleranz, Respekt, friedvolles Miteinander waren mehr als Schlagworte, sie wurden gelebt. Intensiv und laut. Wir sollten sie hören, auch im Nachklang. Lange. Denn: Was kostet die Welt? Manchmal genügt schon ein Lächeln, um uns reicher zu machen.

Marlies Mohr

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