Psychische Komponente einer Hitzewelle

Gesund / 26.07.2019 • 10:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hitzewellen seien für viele Menschen ein Grund, beunruhigt zu sein, berichtet Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der MedUni Wien.
Hitzewellen seien für viele Menschen ein Grund, beunruhigt zu sein, berichtet Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der MedUni Wien.

Extreme Hitze kann Stress, Angst und Depression auslösen.

Wien Während einer Hitzewelle kommt es bei älteren und geschwächten Menschen, aber auch bei jüngeren Personen mit mangelnder Fitness zu einer deutlichen Zunahme von Stress, Ängsten und Depressionen. „Die Aussicht, dieser Hitze nicht entfliehen zu können, führt zu seelischen Problemen, die nicht unterschätzt werden dürfen“, warnt Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der MedUni Wien.

In der kommenden Woche werden die Temperaturen in Österreich voraussichtlich wieder bei rund 30 Grad oder darüber liegen. Hitzewellen seien für viele Menschen ein Grund, beunruhigt zu sein, teilt die MedUni Wien mit. „Das führt bis hin zu Panikattacken“, erläutert Hutter, „diese Menschen haben richtig Angst, dass ihnen etwas passiert und dass sie diesen Belastungen nicht standhalten.“ Mentale Probleme können auch durch Existenzängste ausgelöst werden, bei großer und langanhaltender Hitze betreffe das insbesondere Landwirte. „Dürre, Waldbrände, aber in der Folge auch Hagel und Unwetter sowie andere Wetterkapriolen belasten die Landwirtschaft schwer, und damit auch die davon lebenden Menschen“, sagt der Umweltmediziner. Wichtig sei Prävention, wenn die Temperaturen steigen: „Wer fitter ist, hält die Hitze generell besser aus.“ Während der heißen Phase sei es jedoch ratsam, sich nicht zu überfordern. Dazu sei leichte Kost empfehlenswert sowie einfache Maßnahmen wie das Abdunkeln der Fenster, um tagsüber die Wärme erst gar nicht in die Wohnung zu lassen. „In den südlichen Ländern zeigen sie uns vorbildlich, wie das geht.“

Medikamente

Die Auswirkungen der Hitze spüren insbesondere auch Menschen, die Medikamente einnehmen. Etwa bei Bluthochdruck: „Personen, die an hohem Blutdruck leiden und dagegen Mittel einnehmen, sollten rechtzeitig, am besten vor dem Sommer, die Dosierung vom behandelnden Arzt checken lassen“, erläutert Hutter. Denn Hitze erweitere die Blutgefäße ohnehin und senke so den Blutdruck, die Medikamente fahren den Blutdruck noch weiter hinunter. In Zukunft wird es wohl nicht leichter werden: Die Prognose-Daten für Österreich zeigen, dass sich die Dauer einer Hitzewelle bis ins Jahr 2050 verdoppeln wird. Derzeit dauert eine Hitzewelle (Temperaturen über 30 Grad) in Wien durchschnittlich drei bis fünf Tage, bis 2050 werde sich das auf sechs bis zehn Tage erhöhen. „Bis ins Jahr 2100 wird sich die Anzahl der Hitzetage sogar verzehnfachen. Dann sind Hitzewellen mit Tropennächten mit sogar wochenlanger Dauer möglich“, ergänzt der Mediziner. Und das bei noch höheren Temperaturen.

Eine gute Alternative zu Klimaanlagen sind laut dem Experten Ventilatoren. Diese arbeiten klimaneutraler und heizen die Umgebung nicht auf. „Simple Klimageräte sorgen ihrerseits wieder für Wärmeentwicklung in der Umgebung und Klimabelastung, leider manchmal auch für CO-Vergiftungen und nicht zuletzt für Klimabelastung durch den hohen Stromverbrauch“, gibt er zu bedenken. Der Temperaturunterschied zwischen Außen- und Innentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad betragen.