Immunerkrankungen sind Fehlreaktionen mit Folgen

Gesund / 04.08.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schuppenflechte macht sich durch Entzündungen und Abschuppungen bemerkbar. KHBG

Schuppenflechte ist dank neuer Medikamente sehr gut behandelbar.

Feldkirch Die Zahlen sind erschreckend: Mehr als zwei Millionen Menschen in Österreich leiden an unheilbaren Erkrankungen des Immunsystems. Dazu zählen etwa die Schuppenflechte (Psoriasis), die rheumatoide Arthritis oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Obwohl Heilung nicht möglich ist, gibt es doch wirksame Therapien, welche die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern können. So haben beispielsweise Biologika, also biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, enorme Fortschritte in der Behandlung gebracht. „Speziell bei der Schuppenflechte ist damit eine absolute Abheilung möglich“, erklärt Primar Robert Strohal, Leiter der Dermatologie am Landeskrankenhaus Feldkirch.

Besondere Leistung

Bei einer Autoimmunerkrankung führt eine Überfunktion des Immunsystems zu einer Fehlsteuerung. Der Körper kann nicht mehr zwischen körpereigenen und körperfremden Proteinen unterscheiden, das defekte Immunsystem reagiert mit der Bildung von Abwehrzellen gegen den vermeintlichen inneren Feind. Bei manchen Erkrankungen, wie jenen der Haut, können Entzündungen die Folge sein. Auch Psoriasis ist eine entzündliche Hauterkrankung. Dabei sind Antikörper ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Es handelt sich um Eiweiße, die als Reaktion beim Eindringen von Fremdstoffen wie Bakterien oder Viren entstehen. „Die Leistung von Antikörpern im menschlichen Organismus besteht darin, bestimmte Strukturen, wie Oberflächenstoffe von Bakterien spezifisch im Körper zu finden und über eine entsprechende Bindung den Stoff zu blockieren bzw. zu töten“, erläutert Robert Strohal.

Faktoren wie Stress, eine Verletzung oder Infektion können Fehlreaktionen auslösen. Aufgrund der genetischen Basis kommt es zu einer überschießenden Reaktion der Abwehrkräfte. Es werden zu viele Zellen oder Antikörper gebildet, die letztlich körpereigene Strukturen wie Gewebe oder Organe angreifen. Die andauernde Entzündungsreaktion führt dann zu Schädigungen. „Psoriasis-Patienten etwa entwickeln rötliche, schuppende und mitunter schmerzhafte Hautveränderungen“, beschreibt der Dermatologe die Problematik, mit der Betroffene auch psychisch kämpfen, weil die Schuppenflechte sichtbar ist und von Außenstehenden oft noch als ansteckend wahrgenommen wird. „Was sie jedoch nicht ist“, wie Robert Strohal nachdrücklich betont.

Hilfreiche Systemtherapie

Früher ging die Medizin bei Psoriasis von einer reinen Hautkrankheit aus, die mit Cremen, Salben, Kortison und/oder Lichttherapien behandelt wurde. „Heute weiß man, dass Psoriasis eine Systemerkrankung ist“, sagt Strohal. Für den Einsatz von Systemtherapien bei Schuppenflechte ist entscheidend, wo und wie schwer die Entzündung auftritt. Rötliche schuppende Stellen an der Kopfhaut, in den Leisten, unter der Brust oder im Genitalbereich können sehr belasten. Cremen und Salben eigenen sich nur bedingt für diese Körperregionen. Hingegen kann eine Systemtherapie, die innerlich wirkt, dabei helfen, diese Beschwerden wieder in den Griff zu bekommen. Der sogenannte Psoriasis Area and Severity Index (PASI) stellt ein wichtiges Messinstrument dar, um die Ausdehnung und Schwere der Psoriasis zu beurteilen. Bei der Schwere der Erkrankung werden Rötung, Dicke und Schuppenbildung bestimmt. „Neueste Biologika haben mittlerweile die Fähigkeit, eine absolute Abheilung der Schuppenflechte zu erreichen“, kann Robert Strohal berichten. Seiner Ansicht nach braucht es künftig aber noch mehr ebenso kostengünstige wie effektive Therapieformen, beispielsweise durch Tabletten. In Österreich leiden etwa 200.000 bis 300.000 Personen an Schuppenflechte.