Diabetes-Sonderformen oft unerkannt

Gesund / 16.08.2019 • 10:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Zuckerkrankheit hat viele Facetten, doch das Augenmerk richtet sich oft nur auf die bekannten Formen.Fotolia
Die Zuckerkrankheit hat viele Facetten, doch das Augenmerk richtet sich oft nur auf die bekannten Formen.Fotolia

Die Folge sind offenbar Mängel in der Therapie.

Berlin Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes: Diese Stoffwechselerkrankungen sind allgemein bekannt. Laut deutschen Spezialisten werden aber Sonderformen der Zuckerkrankheit manchmal nicht erkannt. Es gibt Mängel in der Therapie. Darauf verwies die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Aussendung. „Die Ursachen einer Diabetes-Sonderform sind vielfältig und können von genetischen Erkrankungen über hormonelle Störungen bis hin zu Infektionen reichen“, wurde DDG-Präsidentin Monika Kellerer zitiert. Auch die langfristige Einnahme von steroidhaltigen Medikamenten, etwa Kortison, kann zu einer Ausbildung dieses Typs führen.

Alle Ausprägungen besitzen das gleiche Merkmal wie die „klassischen“ Diabetes-Erkrankungen, nämlich einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, der reguliert werden muss. „Allerdings unter Beachtung der jeweiligen Grunderkrankung, weshalb die Therapien erheblich voneinander abweichen können“, betonte die Expertin.

Kortison als Auslöser

Zu den häufigsten Auslösern der Diabetes-Sonderform gehören Kortison-Therapien, etwa bei Rheuma, Asthma, Morbus Crohn, anderen entzündlichen oder onkologischen Erkrankungen. „Hier lautet die gute Nachricht: Der Diabetes kann sich komplett zurückentwickeln, wenn das Kortison ausgeschlichen wird“, erläuterte Kellerer. „Ob eine medikamentöse Umstellung möglich ist, sollten die Patienten mit ihren behandelnden Ärzten abklären.“ Generell ist das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes umso größer, je höher die Kortison-Dosis und je länger die Therapiedauer ist. Besonders gefährdet sind Patienten, die adipös sind, eine familiäre Vorbelastung oder einen Langzeit-Blutzuckerwert HbA1C über 5,7 Prozent haben.

Diabetes häufig bei Mukoviszidose

Zu den Diabetes-Sonderformen gehört auch ein gestörter Glukosestoffwechsel, der sich infolge der Erbkrankheit Mukoviszidose entwickelt. Ab einem Alter von 26 Jahren erkrankt jeder zweite Mukoviszidose-Patient zusätzlich an Diabetes, Frauen deutlich früher und häufiger als Männer. „Dann hängt die Lebenserwartung auch von der Diabetesbehandlung ab“, erklärte DDG-Vizepräsident Andreas Neu. Da der Diabetes bei Mukoviszidose-Kranken oft ohne erkennbare Symptome verläuft, sollten Patienten ab einem Alter von zehn Jahren jährlich auf Diabetes gescreent werden.

Bei der Behandlung gibt es Besonderheiten. Generell gilt: Je untergewichtiger die Patienten, desto größer ihr Diabetes-Risiko. „Deshalb ist es vorteilhaft, Mukoviszidose-Patienten zu einem höheren Body-Mass-Index zu verhelfen“, erklärte Neu. Sie müssen vollwertig ernährt werden, auch in Bezug auf Salze und Kohlenhydrate. „In vielen Praxen werden die Patienten immer noch als Typ 2 eingestuft, die dann lernen, sich kalorienarm zu ernähren“, so Neu. Das sei für Erkrankte mit eingeschränkter Bauchspeicheldrüsenfunktion und Untergewicht in Hinsicht auf die Lebenserwartung äußerst problematisch.