Punktgenau zum Scharfblick

Gesund / 25.10.2019 • 15:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Bei der Korrektur einer Fehlsichtigkeit mit Laser wird Millimeter für Millimeter gearbeitet.

VN-Interview mit Dr. Stephan Maschauer, Facharzt für Augenheilkunde und refraktiver Augenchirurg.

Heidemarie Netzer

Bregenz Yvonne Rudigier (57) hat es schon gemacht: Die Tschaggunserin hat sich nach einem ­Leben mit Brille (5 Dioptrien) für eine Laseroperation entschieden. Nun ist es eineinhalb Jahre her – ihr Resümee: „Das war die beste Entscheidung. Ich habe ein ganz neues Lebensgefühl.“

Dabei ist sie nur eine von vielen, die ihre Fehlsichtigkeit mit dem Gang zum Operationstisch, ausgestattet mit Lasertechnik, korrigieren ließ. Doch im Vorfeld trüben Unsicherheiten den Blick aufs Wesentliche. Fit&Gesund sprach mit Dr. Stephan Maschauer vom OculoVision Augenlaserzentrum in Bregenz, wo im Jahr durchschnittlich 540 Operationen durchgeführt werden.

Prinzipiell: Laser und Augen klingt ein wenig bedrohlich – was passiert beim Lasern?

Bei dieser Art des Laserns findet eine Modellierung der Hornhaut mittels Verdampfen der einzelnen Hornhautzellen statt. Hier wird Mikrometer für Mikrometer in Sekundenschnelle bearbeitet. Das ist weniger bedrohlich als vielmehr punkt­genaues Arbeiten.

Kann jede Art der Fehlsichtigkeit behandelt werden?

Wenn der Patient dafür geeignet ist, ja. Dabei sind die Dioptrien-Zahlen ausschlaggebend: Bei Weitsichtigkeit können Fehlsichtigkeiten von bis zu +5 bis +6 korrigiert werden; bei der Kurzsichtigkeit sprechen wir von -10 bis -12 Dioptrien. Bei beiden Grenzziehungen spielen die Steilheit und die Dicke der Hornhaut wesentliche Rollen.

Auch die Altersfehlsichtigkeit?

Prinzipiell ja und meist in einem Ausmaß, dass der Patient im Alltag ohne Brille zurechtkommt – also bei entsprechenden Lichtverhältnissen das Handy oder den Computer bedienen kann. Kleingedrucktes ist von den Patienten meist ganz individuell lesbar.

Und wie verhält es sich bei einer Hornhautverkrümmung?

Vorneweg: Hornhautverkrümmungen bzw. Astigmatismus treten meist nicht allein, sondern in Kombination mit Fehlsichtigkeiten (kurz oder weit) auf. So wird eine Hornhautverkrümmung meist bei der Korrektur einer Fehlsichtigkeit mitbehandelt; es ist aber auch eine gesonderte Operation möglich.

Wer führt eine Laseroperation durch?

Ausschließlich dafür speziell ausgebildete Augenärzte und dies nur in einem sogenannten Augenlaserzentrum. Nicht ohne Grund: Der spezielle Laser ist sehr kostspielig.

Gibt es Risiken beim Eingriff?

Mitunter kann es zu einer Unter- oder Überkorrektur kommen, die jederzeit nach­behandelt werden können. Sehr, sehr selten kann es zu Entzündungen oder Infektionen kommen. Entsprechende Gegentherapien erfolgen im Laserzentrum selbst.

Eine spezielle Vorbereitung?

Eigentlich muss nichts Spezielles beachtet werden. Einzig: Je nach Art der Kontaktlinsen sollte eine Woche davor (bei weichen) und drei Wochen davor (bei harten) auf das Tragen verzichtet werden.

Ist die Operation schmerzhaft?

Die Operation erfolgt ambulant – die Augen werden örtlich betäubt, die OP ist also völlig schmerzfrei. Der Patient kann nach dem Eingriff auch gleich wieder nach Hause – selbstverständlich in Begleitung eines Chauffeurs oder mit den Öffis.

Was ist, wenn man während der OP den Kopf, die Augen bewegt?

Das macht nichts. Der Kopf liegt in einer Kuhle, einer muldenartigen Vertiefung, und ruht so in einer bestimmten Position. Zudem ist der Laser mit einem Eyetracker, einem Blickverfolgungssystem, ausgestattet, der Bewegungen zulässt und eine Fortführung der Behandlung punktgenau möglich macht.

Für wen kommen Laseroperationen nicht infrage?

Für Menschen, die am fortgeschrittenen grauen oder grünen Star, altersbedingten Augenerkrankungen, wie z. B. einer altersbedingten Maculadegeneration oder einem Keratokonus, also einer irregulären Hornhautfläche, leiden. Für Schwangere ist sie nicht unbedingt empfehlenswert.

Können nach der Laserkorrektur auch noch Katarakt-Operationen (Grauer Star) oder Linsenimplantationen durchgeführt werden?

Ja, nach einer Laseroperation kann jede Art von Augenoperation durchgeführt werden.

Wann ist der ideale Zeitpunkt?

Operationen können ab einem Alter von 18 Jahren durchgeführt werden; nach oben hin gibt es keine Grenzen.

Wenn schon in jungen Jahren gelasert wurde, kann sich eine Fehlsichtigkeit wieder einstellen?

Wenn vor dem 25. Lebensjahr operativ korrigiert wurde, kann es möglich sein, dass eine geringe Fehlsichtigkeit nachkorrigiert werden muss.

Habe ich nach der Operation gleich den Durchblick?

Sofort nach der Operation merkt man deutlich, dass man besser sieht; nach 24 Stunden spricht man von 70 bis 90 Prozent der Sehkraft, nach wenigen Tagen verfügen die meisten Patienten über 100 Prozent ihrer persönlichen Sehkraft. Je nach Patient kann in der Nacht ein Blendempfinden unterschiedlich aus­geprägt sein.

Wann kann ich nach der OP wieder in den Arbeitsprozess einsteigen?

Bei der LASIK- und der Femto-LASIK-Methode (siehe Kasten) sind die Patienten schon am Tag nach der OP einsatzfähig; bei den anderen zwei setzt man eine Regenerationsphase von vier bis fünf Tagen an.

Wann wieder sporteln?

In Sachen Alltagssport gelten dieselben Fristen wie beim Einstieg in den Arbeitsprozess. Bei spezielleren Sportarten wie Boxen, Tauchen und Co sollte die Vorgehensweise mit dem Facharzt besprochen werden.

Sind in der Folge Medikamente nötig?

Hier unterscheiden wir wieder zwischen den LASIK- und den LASEK/transPRK-Operationsmethoden: Bei Ersteren ist in den ersten fünf Tagen die Verabreichung von speziellen Augentropfen (Antibiotika, Kortison) notwendig. Bei den beiden anderen Methoden muss sich der Patient über sechs bis acht Wochen Augentropfen, die mit Kortison angereichert sind, verabreichen.

Kann ich nach der Operation meine Brille endgültig zur Seite legen?

Ja, in 98 Prozent der Fälle. Die Ausnahmen sind, wenn eine volle Korrektur aufgrund der Hornhautbeschaffenheit nicht möglich war. Bei der Korrektur der Altersfehlsichtigkeit kann im Alltag auf die Lesebrille verzichtet werden, da im Schnitt 70 Prozent des Lesebrillenwertes korrigiert werden. Lediglich bei schlechtem Licht, konzentriertem langen Lesen und Kleingedrucktem ist meistens eine sehr einfache Lesehilfe erforderlich.

Nun noch zur Kostenfrage: Kann man den Aufwand beziffern?

Bei der meist angewandten LASIK-Methode betragen die Kosten pro Auge 1750 Euro; bei der Femto-LASIK-OP liegen diese bei 2250 Euro/Auge und bei den LASEK/transPRK-Methoden bei 1700 Euro/Auge; die Kosten verstehen sich immer inklusive Vor- und Nachbehandlung sowie, falls erforderlich, einer Nachkorrektur innerhalb von drei Jahren.

Muss ich die Kosten selbst tragen?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Patient die Kosten meist selbst tragen muss; eine Kostenbeteiligung durch private Krankenkassen ist der Ausnahmefall.

Augenlaser-Methoden

LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis)

Bei dieser Variante wird mit einem Mikrokeratom, eine Art Präzisionsskalpell, die oberste Hornhautschicht präpariert. Es entsteht eine hauchdünne Hornhautlamelle, „Flap“ genannt, die zur Seite geklappt wird. Nun trägt der Excimer-Laser einen vorab exakt berechneten Anteil ab. Anschließend wird der „Flap“ wieder zurückgeklappt.

Femto-LASIK (Femto Laser-in-situ-Keratomileusis)

Die Femto-LASIK-Methode unterscheidet sich vom LASIK-Verfahren nur in der Art, wie die Hornhautlamelle (Flap) präpariert wird. Während bei der LASIK ein Mikrokeratom verwendet wird, kommt bei der Femto-LASIK ein zusätzlicher, spezieller Laser zum Einsatz. Der Femtosekunden-Laser produziert abertausende, aneinander gereihte Gasbläschen, die sich zu einem Blasenteppich verbinden. So entsteht eine dünne Hornhautlamelle. Die Hornhautlamelle wird dadurch deutlich dünner und präziser präpariert.

PRK (Photorefraktive Keratektomie)

Die PRK ist die älteste Augenlaser-Methode und ist auch für Patienten mit einer dünnen Hornhaut geeignet. Bei dieser Oberflächen­behandlung entfällt die Präparation der Hornhautlamelle. Stattdessen wird die oberste Deckschicht der Hornhaut, das Epithel, instrumentell entfernt. Danach wird direkt mit der Augenlaserbehandlung begonnen und die Hornhautoberfläche mit dem Laser modelliert.

Transepitheliale PRK (Transepitheliale photorefraktive Keratektomie)

Dieses Verfahren verläuft ähnlich wie die oben beschriebene PRK. Der Vorteil dabei ist, dass die oberste Deckschicht der Hornhaut, das Epithel, nicht mechanisch, sondern mit dem Laser entfernt wird. Durch den Einsatz des Lasers erfolgt der Abtrag des Epithels sehr präzise. Nach der Entfernung des Epithels beginnt der Laser sofort mit der Beseitigung der Fehlsichtigkeit.

Dr. Stephan Maschauer. Oculovision
Dr. Stephan Maschauer. Oculovision

Zur Person

Dr. Stephan Maschauer

ist einer der Operateure am Augenlaser­zentrum Bregenz.

Geboren 1965

Werdegang Medizinstudium in Karlsruhe und Freiburg mit Facharztausbildung in München; 1993 erste Excimerlaserbehandlungen; ab 1997 refraktiver Augenchirurg; ab 2009 am Augenlaserzentrum OculoVision in München, seit 2011 in Bregenz.

Wissenswert 1998 ließ er sich selbst seine Kurzsichtigkeit und Stabsichtigkeit mittels Excimerlaser behandeln.