Von Biodiversität und Verlässlichkeit

Gesund / 27.10.2019 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Auch bei Obst und Gemüse kann Vorarlberg und die benachbarten Regionen mit einer großen Vielfalt an biologisch erzeugten Produkten aufwarten. VN/HP

Zertifikate helfen Konsumenten, bewusst zu agieren.

Heidemarie Netzer

BREGENZ Nun wird viel über Bio gesprochen, gelesen, geredet. Doch stellt sich bei der Flut an Bioauszeichnungen dem Konsumenten generell die Frage, welche Auszeichnung bzw. Zertifizierung überhaupt Relevanz hat, auf welche Auszeichnung Verlass ist. Fit&Gesund ging auf die Suche und stieß stellvertretend auf BIO AUSTRIA, dem Verein zur Förderung des biologischen Landbaus, auch mit Sitz in Vorarlberg, und sprach mit dessen Geschäftsführer Manuel Kirisits-Steinparzer über Verantwortung, Prozesse und die Diversität der Auszeichnungen.

Grundsätzlich: Wer zeichnet für eine Biozertifizierung verantwortlich?

Die Biobäuerinnen und Biobauern werden mindestens einmal jährlich von einer staatlich autorisierten Biokontrollstelle auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft. Die Biokontrolle erstreckt sich auf den gesamten Produktionsprozess über alle Stufen – es werden also der landwirtschaftliche Betrieb, die Verarbeiter und die Händler kontrolliert. Die Biokontrolle gibt somit Sicherheit, dass nur Produkte auf den Markt kommen, die entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen produziert worden sind. Die Kontrollstelle selbst wird vom Staat, also vom Bundesministerium, akkreditiert.

Wie gestaltet sich der Zertifizierungsprozess?

Das Kontrollsystem im Biobereich gehört zu den umfassendsten im Agrarbereich. Biokontrolle und zertifizierung sind europaweit einheitlich geregelt und praktisch lückenlos. Landwirte und Verarbeiter müssen detaillierte Aufzeichnungen führen; Ackerflächen, Tiere und Stallungen, Anbauplanungen, Betriebsmitteleinkäufe und vieles mehr werden bei der jährlichen Kontrolle begutachtet, Probenahmen und Rückstandsanalysen stehen regelmäßig an der Tagesordnung. Das Biozertifikat führt letztlich genau auf, welche Produkte biologisch erzeugt und vermarktet werden dürfen.

Welche Kriterien sind grob definiert zu beachten?

Seit Anfang der 90er-Jahre ist in der EU klar geregelt, was ein Bio-Produkt ist und wie dieses zu kennzeichnen ist. Bei Missbrauch drohen entsprechende Geld- oder gar Gefängnisstrafen. In der EU-Bioverordnung werden Ziele und Grundsätze des Bio-landbaus genannt. Die Verfahren der biologischen Produktion sind darin in Richtlinien gegossen und verbieten beispielsweise chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger, regeln die hohen Anforderungen in der Tierhaltung, was verfügbare Fläche und Fütterung betrifft, aber auch die Verarbeitung von Bioprodukten, wo nur sehr wenige der allgemein zulässigen Hilfs- und Zusatzstoffen eingesetzt werden dürfen.

Manuel Kirisits-Steinparzer, Voraralberg-Geschäftsführer von BIO AUSTRIA
Manuel Kirisits-Steinparzer, Voraralberg-Geschäftsführer von BIO AUSTRIA

Das Land übernimmt seit einigen Jahren 50 Prozent der Kontrollkosten unserer heimischen Biobetriebe – eine gute Sache, wie ich meine, wird doch so eine Sache, die im Sinne unserer Gesellschaft geschieht, teilweise von der öffentlichen Hand getragen.

Manuel Kirisits-Steinparzer, BIO-AUSTRIA-VORARLBERG

Können Sie die damit verbundenen Kosten beziffern?

Die Kosten für eine Biokontrolle sind sehr unterschiedlich und abhängig von Produktionsart, Betriebsgröße, Produktgruppe und Mengen. Sie müssen daher betriebsindividuell berechnet werden. In der landwirtschaftlichen Urproduktion übernimmt dankenswerterweise das Land Vorarlberg seit einigen Jahren 50 Prozent der Kontrollkosten unserer heimischen Bio-Betriebe.

Welche Bioauszeichnungen gibt es oder besser gesagt, auf welche kann ich mich als Konsument hundertprozentig verlassen?

Bioprodukte können eindeutig an dem in der EU verpflichtend zu verwendenden EU-Biologo erkannt werden. Neben dem hellgrünen, liegenden Rechteck mit einer Silhouette eines weißen Blattes aus EU Sternen muss zusätzlich die Kontrollstelle mit Kontrollstellencode angegeben werden. Ebenso ist eine geografische Herkunftsangabe der Zutaten zu machen – beispielsweise „Österreichische Landwirtschaft“, wenn 98 Prozent der Zutaten aus unserem Land stammen. Das BIO-AUSTRIA-Verbandszeichen findet sich auf Biolebensmitteln von heimischen Produzenten, die dem Biobauernverband angehören. Die deutlich über den EU-Vorgaben liegenden Richtlinien werden von den Mitgliedern freiwillig eingehalten und unterliegen ebenfalls der strengen Bio-Kontrolle. Das AMA-Biosiegel und Ländle-Biosiegel verbinden Herkunftsangabe und Bioqualität. Neben genannten Siegeln sind auch etliche Hersteller- und Handelsmarken bei Biolebensmitteln zu finden (beispielsweise „Rapunzel“, „Natur pur“ und einige mehr).

Wo kann sich nun der Konsument über biozertifizierte Betriebe bzw. Produkte schlau machen?

In unserem BIO-AUSTRIA-Einkaufsführer (verfügbar unter biovorarlberg.at) oder auf der Homepage (bio-austria.at) finden sich zahlreiche Hintergrundinformationen über die biologische Landwirtschaft und unsere Mitglieder. Wer es ganz genau wissen, stets über die Geschehnisse rund um Bio in unserem Land im Bilde sein oder vielleicht einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten möchte, ist herzlich eingeladen, bei uns Konsumenten-Mitglied zu werden: vorarlberg@bio-austria.at.