Disput um CBD und THC

Gesund / 30.10.2019 • 15:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Laut Daniel Feurstein spricht sich ein Großteil der Österreicher für den Einsatz von medizinischem Cannabis aus. Reuters
Laut Daniel Feurstein spricht sich ein Großteil der Österreicher für den Einsatz von medizinischem Cannabis aus. Reuters

Frei verkäufliche Cannabis-Produkte scheiden immer noch die Geister.

Frastanz Cannabisprodukte, zumindest jene ohne die berauschende Wirkung des THC, sind in aller Munde. Die Nachfrage nach frei verkäuflichen Produkten wie dem Cannabidiol (CBD) steigt. Die Wissenschaft erforscht laufend neue Einsatzmöglichkeiten, etwa bei Stress oder Schlafstörungen. Suchtexperten kritisieren allerdings den Mangel an validen Daten, was den Nutzen des Einsatzes von Cannabisprodukten betrifft. Lediglich bei rezeptpflichtigen Cannabinoiden wie dem Dronabinol (THC) ist laut Primar Michael Willis, Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene in Frastanz, eine gewisse symptomlindernde Wirkung erwiesen, zum Beispiel bei Spasmen im Rahmen einer Multiplen Sklerose. „Es gibt Indikationen, bei denen dieses Cannabinoid in der Schmerztherapie zur Symptomkontrolle unterstützend eingesetzt wird“, erklärt Willis. Das nicht unumstrittene Thema steht auch im Mittelpunkt eines Symposiums, das am 8. November 2019 um 19 Uhr im Krankenhaus Maria Ebene stattfindet.

Wissenschaftliche Basis fehlt

Für Michael Willis ist die Anwendung dieser Arzneimittelspezialitäten auf Hanfbasis nichts Neues. Schon während seiner Zeit in Innsbruck hat er immer wieder damit zu tun gehabt. „Sie wurden vor allem bei Phantomschmerzen zusätzlich zur regulären Schmerztherapie eingesetzt“, berichtet er. Ein anderes Kaliber ist das Cannabidiol (CBD). Es handelt sich um ein Cannabisprodukt ohne den psychoaktiv wirksamen Inhaltsstoff THC, dessen Einsatz bei psychiatrischen Krankheitsbildern durchaus hilfreich sein könnte. Laut ersten Studienergebnissen könnte es entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit wirken. Weitere pharmakologische Effekte wie eine antipsychotische Wirkung werden erforscht. Es fehlt laut Willis jedoch weiterhin die wissenschaftliche Basis für einen klinischen Einsatz von CBD.

Lifestyle-Produkt

Nichtsdestotrotz ist CBD in Vorarlberg frei erhältlich, inzwischen sogar an Tankstellen, wie Willis festgestellt hat. Das ist absolut nicht im Sinne des Suchtexperten, der zudem die Meinung vertritt, dass diese Produkte, wenn sie geraucht werden, sehr wohl eine bestimmte Wirkung auf die Aufmerksamkeit und Denkleistung haben. Daten, die zeigen, ob sie nach Langzeitgebrauch auch abhängig machen können, gebe es noch nicht. „Außerdem weiß man oftmals nicht genau, welche Stoffe in den CBD-Produkten wirklich enthalten sind, eine Qualitätskontrolle fehlt häufig“, moniert Willis. Seinen Erfahrungen zufolge führt der legale Erwerb auch dazu, dass Käufer oft zu viel davon konsumieren. Er hält CBD für ein klassisches Lifestyle-Produkt, mit dem gute Geschäfte gemacht werden. „Ich rate dringend von einem unkritischen Einsatz ab, weil sich die Langzeitfolgen nicht abschätzen lassen.“ Zudem hätte CBD keine schmerzstillende Wirkung im engeren Sinn, würde also nur falsche Hoffnungen wecken.

Gesetzliche Lücke

Für den promovierten Biologen Daniel Feurstein ist die Skepsis der Suchtexperten bei CBD-Produkten nicht nachvollziehbar. Er vertreibt in seinem Geschäft in Götzis erfolgreich CBD-Hanfprodukte und arbeitet auch mit Ärzten und Pharmazeuten zusammen. „Zahlreiche Mediziner sehen heute das therapeutische Potenzial von CBD“, erzählt er. Früher wurden CBD-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben. Das ist seit Ende 2018 nicht mehr möglich. „Jetzt können sie als kosmetische Produkte praktisch von jedem verkauft werden“, ärgert sich Feurstein über die damit aufgegangene gesetzliche Lücke. Diese eröffne nämlich auch dem Betrug Tür und Tor und rücke die ohnehin sensible Thematik zusätzlich in ein schlechtes Licht. Nicht zuletzt deshalb seien Apotheken diesbezüglich noch sehr zurückhaltend.“Uns geht es nicht um eine generelle Legalisierung, sondern um einen vernünftigen Einsatz im medizinischen Bereich“, wünscht sich Daniel Feurstein eine Regulierung der Abgabe von CBD-Produkten durch das Gesundheitsministerium. So lange das nicht der Fall ist, versucht er es mit Aufklärung. So ist beispielsweise für kommendes Frühjahr bereits eine Konferenz für Ärzte und Pharmazeuten geplant. VN-MM

„Es fehlt weiterhin die wissenschaftliche Basis für einen klinischen Einsatz von CBD.“

Symposium

Termin Freitag, 8. November 2019, 19 Uhr, Krankenhaus Maria Ebene, Frastanz

Thema Cannabis

Referenten Univ.Prof. Hans-Günther Knaus (Pharmakologie des Cannabisrezeptors), Primar Martin Kurz (Klinische Aspekte des Cannabisgebrauchs)

Podiumsdiskussion mit Expertenrunde Primar Michael Willis, Primar Martin Kurz, Univ.Prof. Hans-Günther Knaus

Weitere Infos www.mariaebene.at