Mehr Bewusstsein für Vorhofflimmern

Gesund / 29.11.2019 • 09:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer ein Vorhofflimmern über längere Zeit nicht ernst nimmt, landet unter Umständen schnell auf der Schlaganfallstation.KHBG
Wer ein Vorhofflimmern über längere Zeit nicht ernst nimmt, landet unter Umständen schnell auf der Schlaganfallstation.KHBG

Unterschätzte Herzrhythmusstörung ist wichtiger Risikofaktor für einen Schlaganfall.

Wien Täglich erleiden in Österreich rund 70 Menschen einen Schlaganfall. Etwa jeder vierte Schlaganfall wird durch fehlerhafte Impulse im Herzen verursacht, das Vorhofflimmern. Dabei bemerken viele Betroffene vorab gar nicht, dass ihr Herz aus dem Takt ist, da die Erkrankung anfangs oft ohne Beschwerden abläuft. Doch unerkannt bedeutet auch unbehandelt. Die Initiative „Herzstolpern – Achten Sie auf Ihren Rhythmus“ will nun mehr Aufmerksamkeit für die unterschätzte Volkskrankheit, Sensibilisierung für regelmäßiges Pulsmessen und Anstoß geben, bei Verdacht auf einen unregelmäßigen Herzrhythmus das Gespräch mit dem Arzt zu suchen.

Das Herz ist ein Hochleistungsorgan. Es versorgt sämtliche Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Allerdings kann der Motor auch aus dem Takt geraten. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung und hat mitunter weitreichende Folgen. „Menschen mit Vorhofflimmern haben ein bis zu fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko“, sagt OA Martin Martinek, Leiter des Departments für Herzschrittmacher und Defibrillatoren am Ordensklinikum Linz, und erklärt: „Durch fehlerhafte elektrische Signale im Herzen schlagen die beiden Vorhöfe nicht mehr im Takt, sondern unkontrolliert – sie flimmern. Dadurch kann das Blut nicht mehr richtig durch das Herz gepumpt werden. Es besteht die Gefahr, dass es im Vorhof verklumpt und Blutgerinnsel entstehen. Lösen sich diese Gerinnsel und gelangen ins Gehirn, ist ein Schlaganfall die dramatische Folge.“

Hohe Dunkelziffer

In Österreich leiden etwa 230.000 Menschen an Vorhofflimmern. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch: „Die Beschwerden sind häufig unspezifisch oder gar nicht spürbar. Gerade am Beginn tritt der unregelmäßige Herzschlag meist nur episodenhaft auf. Dadurch bleibt die Herzrhythmusstörung in vielen Fällen unentdeckt“, weiß der Kardiologe. Aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos ist es jedoch wichtig, Vorhofflimmern rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ein Tipp von Martinek: „Regelmäßiges Pulsmessen kann Hinweise auf einen unregelmäßigen Herzschlag geben.“

Um mehr Bewusstsein für Vorhofflimmern als Risikofaktor für Schlaganfälle zu schaffen, haben die Unternehmen Bristol-Myers Squibb und Pfizer die Initiative „Herzstolpern – Achten Sie auf Ihren Rhythmus“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, über die Erkrankung und deren Folgen zu informieren und für regelmäßiges Pulsmessen zu sensibilisieren. Damit sollen vor allem Menschen ab 65 dabei unterstützt werden, das eigene Risiko für Vorhofflimmern zu erkennen und bei einem Verdacht das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. Unter dem Motto „Auf den Rhythmus kommt es an“ informieren die Webseite www.herzstolpern.at sowie eine kompakte Patientenbroschüre über Warnzeichen, Diagnose und Behandlung, richtiges Pulsmessen und geben Tipps zur Vorbeugung. Der „Puls-Pass“ gibt Anleitung zum eigenständigen Pulsmessen und bietet die Möglichkeit, durch regelmäßige Einträge Auffälligkeiten leichter zu erkennen. Ein Selbsttest mit sieben einfachen Fragen unterstützt dabei das persönliche Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern besser einzuschätzen. Alle Materialien gibt es zum Download auf www.herzstolpern.at sowie beim Arzt.