Häufig und auch gefährlich

Gesund / 13.12.2019 • 11:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Panoramasaal im Landeskrankenhaus Feldkirch war einmal mehr bis auf den letzten Platz besetzt. Primar Matthias Frick traf mit seinem Thema den Nerv der Bevölkerung. vn/lerch
Der Panoramasaal im Landeskrankenhaus Feldkirch war einmal mehr bis auf den letzten Platz besetzt. Primar Matthias Frick traf mit seinem Thema den Nerv der Bevölkerung. vn/lerch

Primar Matthias Frick legte den MedKonkret-Besuchern die Vorbeugung ans Herz.

Feldkirch „Herzschwäche ist häufig und gefährlich.“ In einem Satz brachte Primar Matthias Frick das Problem auf den Punkt. Die Brisanz untermauerte der Leiter der Inneren Medizin I im Landeskrankenhaus Feldkirch mit Fakten. Durchschnittlich 30 Prozent der Betroffenen sterben nach einem Jahr, die 5-Jahres-Rate liegt bei 60 bis 70 Prozent. Etwa die Hälfte der über 65-Jährigen muss wiederholt stationär aufgenommen werden, und zwei bis vier Prozent des Gesundheitsbudgets fließen in die Behandlung der Herzschwäche. Für Frick alarmierende Zahlen, die neue Strategien notwendig machen. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten zur Behandlung dieser Erkrankung immer besser. Besonders im medikamentösen Bereich tat und tut sich viel. „Das Beste wäre jedoch, eine Herzschwäche gar nicht erst entstehen zu lassen“, rief Primar Frick die MedKonkret-Besucher im vollbesetzten Panoramasaal des LKH Feldkirch dazu auf, Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Herzkreislauf-Erkrankungen unbedingt und konsequent behandeln zu lassen. Als wirksame Präventionsmaßnahmen nannte er außerdem eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung sowie Nikotin- und Alkoholabstinenz.

Eine Alterserscheinung

Herzschwäche ist eine Alterserscheinung. Ab 80 steigen die Patientenzahlen deutlich an. In dieser Personengruppe liegt der Anteil bei über zehn Prozent. „Eine von drei Personen im Alter von 55 Jahren entwickelt während der restlichen Lebenszeit eine Herzschwäche“, zitierte Matthias Frick aus aktuellen Studien. Noch eine Aussage ließ aufhorchen: Ist die Erkrankung einmal manifest, verschlechtert sie sich zusehends. Vor allem akute Episoden setzen dem Herzen, das gut 300 Gramm wiegt, zu. Die Medizin teilt die Herzschwäche in vier Stadien. Bei Schweregrad 4 treten Beschwerden wie Atemnot sogar in Ruhestellung auf.

Herzschwäche vermindert die Pumpleistung des Herzens. Das heißt, die Organe können nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. „Das spüren Betroffene zuerst bei körperlicher Belastung, dann auch in Ruhe“, erläuterte Frick. Der häufigste Grund für das Auftreten einer Herzschwäche ist ein Herzinfarkt. Weitere Ursachen sind chronische Durchblutungsstörungen, unbehandelter Bluthochdruck, Herzmuskelentzündungen, Herzklappenfehler, Chemotherapien und übermäßiger Alkoholkonsum. Die Diagnose beinhaltet ein ausführliches Gespräch, eine klinische Untersuchung, EKG, Labor, Herz-Ultraschall, MRT und, wenn erforderlich, eine Herzkatheter-Untersuchung. Eine, wie es der Kardiologe ausdrückte, saubere Diagnostik ist Voraussetzung für eine adäquate Behandlung. Dabei sei es oft wichtiger, statt der Prognose die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. An Therapieoptionen stehen medikamentöse und operative Interventionen zur Verfügung. Als allerletzten Schritt bezeichnete Primar Frick die Herztransplantation.

Ambulante Betreuung

Der Arzt appellierte an die Zuhörer, sich über diese Erkrankung zu informieren, er riet zu regelmäßigen Blutdruck- und Gewichtskontrollen, zu salzarmer Ernährung, dosierter Flüssigkeitszufuhr (1,5 bis 2 Liter maximal) und Alkohol- sowie Nikotinverzicht.

Immer wichtiger wird aus seiner Sicht außerdem die ambulante Betreuung von Patienten mit Herzschwäche. Speziell auf diese Erkrankung geschulte Pflegepersonen sollen künftig Internisten und Hausärzte unterstützen. Wie Primar Matthias Frick mitteilte, wird demnächst auch in Vorarlberg mit der Ausbildung solcher Pflegemitarbeiter begonnen. Er hofft, dass das von der neuen Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) initiierte Projekt in längstens drei bis vier Jahren zur Umsetzung gelangt.

Der Vortrag kann in ganzer Länge unter gesundheit.vol.at nachgesehen werden.