Zu neuem Lebensmut verholfen

Gesund / 20.12.2019 • 09:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Eingriff war auch ein gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der Chirurgie. khbg
Der Eingriff war auch ein gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der Chirurgie. khbg

Erfolgreiche Genitalrekonstruktion bei 58-jährigem Patienten im LKH Feldkirch.

Feldkirch Das Peniskarzinom ist ein seltener bösartiger Tumor, bei dem eine Amputation des männlichen Gliedes notwendig sein kann. Der Leidensdruck der Betroffenen ist hoch. Einem Patienten am LKH Feldkirch konnte nun durch eine Eigengewebstransplantation erfolgreich geholfen werden. Dieser Eingriff wurde erstmalig in Vorarlberg durchgeführt. „Das Modellieren eines neuen Gliedes stellt eine große Herausforderung an die Plastische Chirurgie dar, weil die ästhetischen als auch die funktionellen Anforderungen an den Penis sehr hoch sind. Wir freuen uns, dass es uns so gut gelungen ist, dem Patienten zu helfen“, resümiert Primar Gabriel Djedovic, Leiter der Abteilung für Plastische Chirurgie, zufrieden.

Der Verlust des Penis, etwa nach Tumorerkrankungen, ist für Männer ein schwer traumatisierendes Ereignis. Mit plastisch-chirurgischen Operationsverfahren gelingt es heute in vielen Fällen, aus körpereigenem Gewebe ein Penoid, einen Penis-ähnlichen funktionsfähigen Ersatz zu rekonstruieren. In Europa erkranken weniger als ein Prozent der Männer an Peniskrebs. Vorhautverengung, Infektion mit HPV-Virus und Rauchen zählen zu den Risikofaktoren. Verdächtige klinische Zeichen sind juckende, nässende, verhärtete Hautveränderungen.

Erschwerte Blasenentleerung

Der 58-jährige Patient, der an einem bösartigen Peniskarzinom erkrankt war, musste sich im April einer Operation am äußeren Geschlechtsorgan unterziehen. Dabei wurden drei Viertel des Gliedes entfernt.

Im Anschluss an die lebensnotwendige Operation konnte der Patient nur mittels einer Urinierhilfe Wasser lassen. Dieser Zustand schränkte die Lebensqualität stark ein, der Leidensdruck führte in Folge zu Depressionen. Dank der Expertise in Tumor-, Mikro- und der rekonstruktiven Chirurgie von Primar Djedovic und der Möglichkeiten im LKH Feldkirch konnte dem Mann geholfen werden.

Chirurgische Rekonstruktionen des männlichen Gliedes sind aufgrund der komplexen kosmetischen und funktionalen Anforderungen (Blasenentleerung, Sexualfunktion) eine große Herausforderung. Zur Vorbereitung auf den plastisch-chirurgischen Eingriff wurden dem Patienten die Haare am Unterarm mithilfe einer Laserbehandlung entfernt. Während der achtstündigen Operation konnte dann aus der Haut des Unterarmes ein Penis geformt werden. Arterien und Venen wurden ebenso wie Hautnerven transplantiert, um die Durchblutung des verpflanzten Hautareals zu gewährleisten und die Sensibilität zu erhalten.

Komplexe Harnröhre

„Zusätzlich zum Modellieren des männlichen Gliedes musste die Rekonstruktion der elastischen Harnröhre erfolgen. Erfreulicherweise war in der Tiefe noch so viel Harnröhre vorhanden, dass sie beim mikrochirurgischen Wiederherstellungseingriff durch ihre hohe Elastizität ausreichend gedehnt und mobilisiert werden konnte, sodass nur der umgebende Penisschaft hergestellt werden musste“, erklärt Djedovic. So wurde ohne die komplikationsträchtige Harnröhrenrekonstruktion die volle Funktionalität beim Wasserlassen erreicht. Durch den Eingriff, der einen zweiwöchigen Spitalsaufenthalt erforderte, konnte dem Patienten zu neuem Lebensmut und einer angenehmen Lebensqualität verholfen werden. Die Sexualität kann auf Wunsch des Patienten mithilfe einer Penispumpe ausgelebt werden. „Derartige diffizile Eingriffe sind nur mit einem gut eingespielten Team und bei fundiertem interdisziplinärem Austausch möglich. Die Zusammenarbeit mit Primar Alfred Hobisch, dem Leiter der Urologie, war vorbildlich und führte zu diesem positiven Ergebnis“, sagt Gabriel Djedovic. Es sei ein gutes Signal, einen derart anspruchsvollen Eingriff von nun an auch in Vorarlberg durchführen zu können.

„Wir freuen uns, dass es uns so gut gelungen ist, dem Patienten zu helfen.“