„Intimste Form der Kommunikation“

Gesund / 10.01.2020 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Psychotherapeut Martin Brüstle bietet Beratungen im Bereich der Sexualtherapie an.

BLUDENZ Sexualität spielt im gesamten Leben eines Menschen eine Rolle. „Ich habe schon zu Beginn meiner Berufslaufbahn als Sozialarbeiter bemerkt, welche Bedeutung die Sexualität bei Jugendlichen einnimmt. Als Therapeut war es die Paartherapie, die aufzeigte, was für ein wichtiges Themenfeld dies ist. Störungen in diesem Bereich betreffen immer beide Partner. Deshalb ist es mir auch in Einzelberatungen wichtig, den Partner miteinzubeziehen, um gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln, denn meistens ist ein Partner nur der Symptomträger, anhand der Störung werden verdeckte Probleme sichtbar“, erklärt Martin Brüstle, Psychotherapeut mit Praxis in Bludenz.

Soziale Wesen

Sexualität lasse sich nicht auf den Genitalbereich beschränken. Sie beginne viel früher. „Sexualität ist die intimste Form der Kommunikation. Wie wir Berührungen erleben, in welcher Form wir uns austauschen, das alles ist sinnliches Erleben. Dabei ist es entscheidend, wie wir ein Baby in der Welt begrüßen, wie wir es berühren, wie sehr es sich geborgen fühlen kann. Kinder, die diese grundlegende Liebe nicht erleben durften, haben es im späteren Leben oft schwer, Bindungen einzugehen. Wir Menschen sind soziale Wesen, die Sehnsucht nach verbindlichen Beziehungen besteht bei uns allen“, weiß Martin Brüstle. Es sei auffallend, dass auch immer mehr junge Menschen in seine Praxis kommen. Offenkundig sei ein Tabu gefallen, da sich vor allem junge Männer trauen würden, Fragen zur Sexualität offen anzusprechen. Diese umfassen Probleme wie Erektions- und Ejakulationsstörungen, Fragen zur Frequenz des Geschlechtsverkehrs oder bei Frauen Fragen des orgastischen Erlebens und Störungen der Libido. Bei Männern wie Frauen sei außerdem Lustlosigkeit zunehmend ein Thema.

Fachärztliche Abklärung

„Es ist mir wichtig, vorab durch einen Facharzt abklären zu lassen, ob nicht ein somatisches Leiden im Hintergrund steht. Kann dies ausgeschlossen werden, beginnt die Therapie. Es überweisen immer mehr Mediziner an mich, da ja häufig psychische Ursachen den Beschwerden zugrunde liegen. Im Rahmen meiner Ausbildung habe ich die Hamburger Methode kennengelernt, die einen biopsychosozialen Ansatz verfolgt. Hierbei müssen der biologische, psychodynamische und soziale Aspekt berücksichtigt werden. Gefühl und Körper dürften nicht getrennt voneinander gesehen werden, und es ist entscheidend, in welchem gesellschaftlichen Kontext der Klient lebt“, führt Martin Brüstle weiter aus. Eine lebendige Sexualität stehe jedoch für Lebensqualität und dies bis ins Alter: „Das Alter bietet eine neue Chance für das Erleben von Sexualität.“ BI

„Das Alter bietet uns eine neue Chance für das Erleben von Sexualität.“