Wunder

Gesund / 10.01.2020 • 10:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Bilder, die uns derzeit aus Australien erreichen, sind dramatisch. Große Teile des riesigen Landes stehen in Flammen, versinken in Schutt und Asche. Die Helfer sind beinahe hilflos. Trotz schon übermenschlicher Anstrengung. Uns wirklich vorstellen, was sich da abspielt, in und abseits der Feuerhölle, können wir nicht. Wir können nur mitfühlen. Mit den Menschen. Mit den Tieren. Meine Tochter schickte mir unlängst ein eindrückliches Foto. Es zeigt drei verschreckte Kängurus zwischen verkohlten Bäumen, die Gerippen ähnlich in den rauchgeschwängerten Himmel ragen. Sie hat das Bild in der Nähe jener Farm aufgenommen, auf der sie bei einer Familie wohnte, bis auch die vor der anrollenden Feuerwalze flüchten musste. Die Aufnahme traf mich tief ins Herz. Es gibt noch viele solcher Bilder.

Menschen können sich in Sicherheit bringen, Tiere sind auf Gedeih und Verderb einem solchen Inferno ausgeliefert. Bei aller Tragik geschehen inmitten der Apokalypse aber auch kleine Wunder. So ist etwa die Katze der Familie, die kurz vor dem überstürzten Aufbruch verschwand, nach einer Woche plötzlich wieder vor der Türe gestanden, zerfleddert und verstört zwar, ansonsten jedoch wohlauf. „Angel“, so der Name der Samtpfote, hatte wohl tatsächlich sämtliche Schutzengel auf ihrer Seite. Die Geschichte geht in Australien derzeit durch alle Medien. Ein Lichtblick inmitten nicht enden wollender Horrormeldungen.

Dazu passt ein Zitat des britischen Schriftstellers Gilbert Keith Chesterton ganz gut. Der Schöpfer der Pater-Brown-Figur meinte weiland: Das Wunderbarste an Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen. Vielleicht müssen wir nur öfter daran glauben.

„Menschen können sich in Sicherheit bringen, Tiere sind einem solchen Inferno ausgeliefert.“

Marlies Mohr

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