Arbeitszeiten von Spitalsärzten

Gesund / 24.01.2020 • 08:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

So sehr es in Ordnung ist, dass die Kammer sich für Arbeitszeiten von Spitalsärzten auf möglichst geringem Maß einsetzt, so sehr bedarf das Thema einer differenzierteren Betrachtungsweise.

Die Schaffung neuer Stellen hilft nicht, wenn das Angebot nicht da ist. Wien schafft eben 250 neue Stellen und fischt im selben Pool wie Vorarlberg, wird dabei aber leider stärker wahrgenommen werden als unser kleineres Bundesland.

Die Pensionierungswelle im niedergelassenen Bereich, die in den kommenden Jahren bevorsteht, wird die Knappheit an ärztlichem Personal in Spitälern verstärken. Der Gang in die Praxis ist nun einmal für viele Ärzte das eigentliche Ziel.

Die Novelle der Ärzte-Ausbildungsordnung 2015 führt zu einer Reduktion der Ausbildungsstellen an vielen Standorten. Prinzipiell ist es für die Qualität der Ausbildung gut, wenn sie dort stattfindet, wo genügend Fälle behandelt werden und so die Fallzahlen für die Auszubildenden hoch sind. Das hat aber zur Folge, dass der neu ausgebildete Nachwuchs nicht die Abgänge deckt, jedenfalls nicht so bald. Vielerorts sind dennoch gar nicht alle Ausbildungsstellen besetzbar.

Apropos Ausbildung: Wenn Ärzte heute 48 Stunden (inklusive Nachtdienste) arbeiten, bedeutet das auch eine Reduktion der Zeit für die Ausbildung um 20 Prozent gegenüber den vor wenigen Jahren üblichen 60 Stunden.

Der mittlerweile erfreulich hohe Frauenanteil in der Medizin führt durch Mutterschutz und Karenzzeiten zu längeren Ausfällen, die zumeist personell nicht in derselben Qualität zu decken sind und von den anderen Mitgliedern des Teams zeitlich kompensiert werden müssen.

Durch unsere geographische Lage leiden wir an dem Sog, den die Schweiz mit ihren unvergleichlich höheren Gehältern ausübt (obwohl dort Arbeitszeit eine untergeordnete Rolle spielt). Vor allem junge Ärzte, die zuerst in Vorarlberger Spitälern gut und zeitintensiv ausgebildet wurden, wollen sich derart eine solide finanzielle Basis schaffen, bevor sie – vielleicht – wieder einmal zurückkommen.

Rahmenbedingungen neu denken

Ein gewerkschaftliches Njet zur Möglichkeit, die maximale Arbeitszeit auch weiterhin von 48 auf 55 Stunden zu verlängern, wird unsere Probleme nicht lösen. Vielmehr gilt es, Rahmenbedingungen neu zu denken und so zu gestalten, dass der Arbeitsort Spital begehrenswert ist. Perfekte Infrastruktur in Krankenhäusern wie reichlich Kinderbetreuungsplätze, eine Bank, eine Post, ein kleiner Supermarkt in großen Häusern und vielleicht auch ein gewisses Freizeitangebot (z.B. ein Fitnesscenter) können neben einer gewissen Großzügigkeit bei der finanziellen Abgeltung der Mehrleistung dazu beitragen, dass die spitalsärztliche Tätigkeit attraktiv ist, auch wenn sie in Notzeiten >48 Wochenstunden dauern kann.