Kälte kriecht auch in Gelenke

Gesund / 24.01.2020 • 08:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schmerzende Gelenke bei Kälte sollten und müssen nicht sein.unsplash
Schmerzende Gelenke bei Kälte sollten und müssen nicht sein.unsplash

Niedrige Außentemperaturen können Schmerzen verursachen.

Wien Kalt, nass und ungemütlich: Die winterlichen Temperaturen schlagen nicht nur aufs Gemüt, sondern kriechen oft sprichwörtlich bis in die Gelenke. Die Gründe für die daraus resultierenden Schmerzen sind jedoch schwer zu identifizieren. Der Wiener Unfallchirurg und Kniespezialist Marcus Hofbauer bemerkt dazu: „Aktuelle Studien, die sich diesem Thema widmen, haben oft unschlüssige oder widersprüchliche Ergebnisse. Dies liegt unter anderem daran, dass die derzeitige Forschung psychologische Faktoren sowie das individuelle Aktivitätsniveau von Betroffenen oft vernachlässigt. Nur wenn man das Bild ganzheitlich betrachtet, erhält man eine Vorstellung davon, warum sich die Gelenke bei feuchtem, kaltem Wetter mit Schmerzen melden.“

Unter einer kalten Dusche spannen sich die Muskeln automatisch an. Auch niedrige Außentemperaturen führen nach demselben Prinzip bei vielen Menschen zu einer erhöhten Muskel- und Faszien-Spannung. Die Folge: Gelenke und Bänder verlieren ihre Bewegungsfreiheit, wodurch die Nerven speziell im Gürtelbereich leicht, aber schmerzvoll zusammengedrückt werden. Hinzu kommt, dass der Körper versucht, wichtige Organe wie Herz oder Lunge, den sogenannten Körperkern, mit mehr Blut zu versorgen. Dabei werden die Blutgefäße in Armen, Beinen und der Schulter deutlich gestrafft und die Durchblutung vermindert, was zu dumpfen Schmerzen in den betroffenen Regionen führen kann. Laut Hofbauer können auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen: „Die kalte, nasse Jahreszeit führt bei vielen Menschen zu einem schwereren Gemüt, wodurch bestehende Schmerzen verstärkt wahrgenommen werden.“

Regelmäßige Bewegung

Um die Muskulatur rund um die Gelenke zu lockern, diese besser zu durchbluten und somit die Gelenksschmerzen zu reduzieren, hat der Wiener Kniespezialist folgende Tipps:

» Aktiv trotz Kälte: Das warme Sofa wird in kühlen Zeiten zum besten Freund. Dass dies den Gelenken jedoch eher schadet, als sie schont, erklärt der Experte wie folgt: „Der Bewegungsmangel ist in der kalten Jahreszeit buchstäblich Gift für die Gelenke. Erst durch regelmäßige Bewegung können diese besser durchblutet werden. Mit dem Blut gelangen wichtige Nährstoffe in die Gelenke, die den Reibungsschmerz lindern. Ein Winterspaziergang sollte daher, wenn möglich, unbedingt am Tagesplan stehen. “

» Zwiebel-Look nutzen: Beim Spaziergang darf eines nicht fehlen: warme und winddichte Kleidung. Da ist das bekannte Schichten-Prinzip von Vorteil: „Durch das Tragen von mehreren Kleidungsschichten werden Wärmeproduktion sowie Luft- und Feuchtigkeitszirkulation perfektioniert und die Gelenke geschützt.“ Für schmerzende Gelenke können auch Knie- und Ellbogenwärmer ausprobiert werden. Vorsicht: Sind rheumatische Beschwerden der Ursprung von Gelenkschmerzen, die durch die Kälte erst spürbar werden, ist das Zuführen von Wärme eher kontraproduktiv. „Bei Gelenksentzündungen hat der Einsatz von Kälte, wie mit einem Quarkwickel, eine schmerzstillende und abschwellende Wirkung. Wärme hingegen kann die Symptome verschlechtern“, erklärt der Arzt.

» Fisch statt Fleisch: Beim Speiseplan gilt es vor allem auf Rind- und Schweinefleisch zu verzichten. Das Fleisch hat einen hohen Anteil der sogenannten Arachidonsäure, welche Entzündungen begünstigt. Stattdessen rät der Mediziner zum Fischverzehr: „Fisch hilft mit seinen Omega-3-Fettsäuren, die Gelenke von Entzündungen zu befreien. Vor allem fettreiche Fische wie Lachs oder Makrele enthalten einen hohen Anteil an wertvollen ungesättigten Fettsäuren.“

Bleiben die Gelenksschmerzen trotzdem bestehen, sollte man sich an einen Orthopäden oder Physiotherapeuten wenden. „Schmerzempfinden ist ein Warnsystem des Körpers , auf das man hören sollte“, betont Hofbauer.

„Schmerzempfinden ist ein Warnsignal des Körpers, auf das man hören sollte.“