Stammzellen fürs Kniegelenk

Gesund / 24.01.2020 • 08:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In dieser Kanüle bleiben die wichtigen Zellen nach der Bearbeitung übrig.
In dieser Kanüle bleiben die wichtigen Zellen nach der Bearbeitung übrig.

Neue Möglichkeit der Behandlung von Arthrose.

Bregenz Arthrosen sind bekanntermaßen schmerzhaft. Sie entstehen, wenn der für Beweglichkeit und Dämpfung verantwortliche Knorpel in den Gelenken abgebaut wird. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Abnützungserscheinung. Besonders betroffen sind Knie- und Hüftgelenk. Neben konservativen Behandlungsmaßnahmen wie diversen Injektionen mit Cortisonpräparaten, Hyaluronsäureserien und Physiotherapie blieb bislang nur der Ersatz durch ein künstliches Gelenk. Inzwischen ist eine weitere Therapie im Begriff, sich zu etablieren, nämlich die Stammzellentherapie. Der Bregenzer Orthopäde Michael Fink bietet sie als derzeit einziger Arzt in Vorarlberg an und berichtet von einer vielversprechenden Möglichkeit.

Überzeugt vom Konzept

Die von ihm bisher mit Stammzellen behandelten Patienten sind ebenfalls überzeugt vom Konzept. Mike S. etwa sagt: „Ich meine, dass man, wenn man nicht gleich eine Operation will, diese Behandlung unbedingt probieren sollte.“ Langzeiterfahrungen gibt es zwar noch nicht, laut Fink aber sehr gute 4-Jahres-Ergebnisse. Die Behandlung erfolgt einmalig und dauert gut 90 Minuten. Danach kann das Gelenk sofort belastet werden. Die Kosten muss der Patient jedoch selber tragen. Michael Fink stieß bei einem Orthopädie-Symposium in Deutschland auf das neue Therapieangebot. Es interessierte ihn sofort. Er sei immer offen für Neuerungen, die als sinnvoll erachtet würden. Die Behandlung von Gelenksarthrosen mittels Stammzellen ist nach Ansicht von Fink so etwas. Also setzte er sich intensiv mit dem Thema auseinander. Die meisten Erfahrungen gibt es derzeit mit Kniegelenken. „Dort wirkt die Stammzellentherapie am besten“, berichtet der Facharzt. Weniger Erfahrungen gibt es zurzeit noch bei Hüftgelenken.

Wandlungsfähige Zellen

Voraussetzung für ein Funktionieren des Eingriffs ist, dass noch eine gewisse Menge an Knorpelfläche vorhanden ist. Entnommen werden die benötigten Stammzellen aus dem Bauchfett. Es handelt sich um sogenannte mesenchymale Stammzellen. „Diese Zellen sind sehr wandlungsfähig. Sie können Fettgewebe, Knochen und Knorpel regenerieren“, erklärt Fink. Die Behandlung erfolgt in einem Operations- oder Eingriffssaal. Der Patient kann zwischen einer Beruhigungs- und Schmerzbetäubung, die ein Anästhesist vornimmt, wählen. „Die Entnahme von Gewebe ist jedoch auch in örtlicher Betäubung möglich, da vorher in das Bauchfett eine spezielle Lösung eingebracht wird, die sowohl eine Betäubung bewirkt als auch eine überschießende Blutung im Bereich des Bauchfetts verhindert“, erläutert der Orthopäde.

Nachdem die Hautareale der Bauchdecke schmerzunempfindlich geworden sind, wird mit speziellen Kanülen das benötigte Gewebe aus dem Bauchfett gewonnen und mehrmals zentrifugiert, um den Fettanteil von den Stammzellen zu trennen. „Nach etwa einer Stunde ist der mesenchymale Zellhaufen soweit aufbereitet, dass er in das betroffene Gelenk gespritzt werden kann“, beschreibt Michael Fink den Vorgang. Zusätzlich kommen in vielen Fällen noch aus Blutplasma gewonnene Wachstumsfaktoren zum Einsatz. Nach eineinhalb Stunden ist die Sache erledigt.

Regeneration durch Reize

Spezielle Richtlinien für die Nachbehandlung gibt es nicht. „Es ist jede Form von Bewegung erlaubt“, betont Fink. Die Reize, die körperliche Aktivität auf die eingebrachten Stammzellen ausübt, beschleunigen die Regeneration. Wichtig sei außerdem, den oft schon schlechten Bewegungsablauf neu aufzubauen, um einen weiteren Verschleiß des Knorpelgewebes hintanzuhalten. Michael Fink setzt deshalb auf eine Nachbehandlung auf physiotherapeutischer Basis. VN-MM

„Die Entnahme von Gewebe ist jedoch auch in örtlicher Betäubung möglich.“

Die Zentrifuge übernimmt die Vorarbeiten, um eine Behandlung möglich zu machen.
Die Zentrifuge übernimmt die Vorarbeiten, um eine Behandlung möglich zu machen.
In diesem speziellen Gerät kann Michael Fink quasi die Spreu vom Weizen trennen.vn/paulitsch
In diesem speziellen Gerät kann Michael Fink quasi die Spreu vom Weizen trennen.vn/paulitsch

Weitere Infos unter
der E-Mail-Adresse:
ordination.fink@gnv.at